Kaum, dass die Sonne aufgeht, sind wir auch schon auf den Beinen und kochen Kaffee, tischen Brot, Butter, Käse, Honig und Salami auf, dann wird erstmal friedlich gefrühstückt und geplaudert.
Nach dem gemeinsamen Abwasch wird es Zeit zusammen zu räumen und weiterzufahren, denn heute haben wir doch noch einige Kilometer vor uns, bis wir in Göreme sind, dazwischen sogar noch eine Übernachtung. Nach einem weiteren Stück am Schwarzen Meer entlang, biegen wir irgendwo links ab und fahren durch die Berge. Die türkischen Strassen sind absolut top, so gut wie keine Schlaglöcher und der Verkehr gut geregelt.
Christina und Urs fahren mit ihrem Bus voraus, wir folgen ihnen mal mit mehr oder weniger Abstand, je nachdem wie stark es bergauf geht. Es regnet immer mal wieder und wir fahren über diverse Bergpässe, dabei haben wir bei dem einen sogar einen richtigen Schneefall. Mit unseren Reifen denkbar schlecht ausgestattet, fahre ich doch um einiges langsamer und vorsichtiger, denn hier zu rutschen ist nicht cool. Froh, auf der anderen Seite wieder trockenen Boden zu haben, geht es weiter durch türkisches Hinterland, wo noch Bauern leben, aber auch erstaunlich riesige Städte aus dem Boden schiessen.
Zahlreiche neuen Moscheen werden gebaut, Häuserblocks und Fabriken, Schienennetze und Flughäfen, es ist echt erstaunlich, was hier abgeht. Irgendwo im Nirgendwo trifft man auf Wohnanlagen, Hotels, und so weiter, es scheint als ob man hier neue Wirtschaftszonen erschaffen will. Es regnet weiterhin und der Himmel ist düster, grau und wolkenverhangen, nicht mal ein bisschen Sonne kriegen wir zu Gesicht.
Mit ein wenig Glück und Tobis gutem Auge, finden wir einen friedlichen Übernachtungsplatz in der Nähe eines Bachs, auf einer Wiese zwischen Bäumen. Wir ziehen die Zusatzwände hoch, denn es scheint über Nacht doch ziemlich kalt und feucht zu werden. Danach mache ich mich an die Arbeit, denn heute gibt es Rindsvoressen mit Käsepolenta.
Christina gesellt sich zu mir in die Autoküche, während die Jungs im Bus sitzen. Der ist nämlich so ausgebaut, dass man das Bett zu zwei Sitzbänken mit Tisch umfunktionieren kann, echt cool! Die Jungs sitzen also im Bus und trinken Bier, die Mädels kochen und trinken Wein, ich bereite das Voressen zu und Christina die Polenta, die echt saugut ist. Nach dem Essen erledigen die Jungs den Abwasch und dann setzen wir uns alle in den Bus, denn draussen hat es bereits wieder angefangen zu regnen.
Während ich Blog schreibe, spielen die anderen Quartett und um zehn hauen wir uns alle in die Federn.
Mein Wecker reisst mich um sieben Uhr aus dem Schlaf und während sich Tobi nochmals dreht, hüpfe ich unter die Dusche und räume anschliessend unsere Sachen zusammen. Nach und nach sind auch die anderen wach und nachdem wir alles in unsere Autos geräumt haben, kommt ein Vertreter des Vermieters, wo wir die Schlüssel und Karten abgeben.
Mit einem prüfenden Blick unter das Auto stellt Urs fest, dass bei ihnen die Gummimanschette am Achsengelenk kaputt ist. Das bedeutet für die zwei, ab in die Garage um das Teil zu ersetzen, am besten noch heute. Also verabreden wir uns in Trabzon, der ersten grösseren Stadt am Schwarzen Meer in der Türkei.
Tobi und ich gehen noch einkaufen, vor allem Salami und Käse ist wichtig, weil man in der Türkei keine Schweinefleischprodukte bekommt. Dann wechseln wir noch Geld und fahren dann los Richtung Grenzübergang, der um einiges grösser ist, als ursprünglich angenommen. Alles verläuft problemlos und eine knappe Stunde später befinden wir uns schon in der Türkei.
Dort organisieren wir zuerst zwei Sim Karten und futtern dann einen Dürüm, der echt gut ist und uns ein Lächeln kostet. Anschliessend fahren wir aus dem Ort raus und treffen auf die Strasse, wo wir damals rechst abgebogen sind, auf dem Weg in den Iran. Damals haben wir uns kurz danach in einen Bach gesetzt und uns die Haare gewaschen, die Erinnerungen sind noch so frisch, als wäre dies erst gestern passiert.
Heute aber fahren wir an dieser Strasse vorbei und am Schwarzen Meer entlang Richtung Trabzon, wo sich der Kreis endgültig schliesst. Während Tobi fährt, blicke ich doch etwas wehmütig auf das Meer hinaus und wünsche mir für einen Moment, wieder genau an der Stelle zu sein wo unsere Abenteuer angefangen haben. Die Aufregung damals, in den Iran zu fahren und weiter bis nach Indien, Malaysia, Indonesien und Australien, die Vorfreude auf das Unbekannte. Nach Hause zu kommen, auf das freuen wir uns zwar sehr, jedoch wird uns das hier sehr fehlen.
Wir tuckern gemütlich am Meer entlang und treffen nach ein paar Stunden in Trabzon ein, wo wir uns mit Christine und Urs treffen, die zum Glück die Manschette austauschen lassen konnten. Zusammen suchen wir uns einen Übernachtungsplatz, was in einer Grossstadt wie Trabzon gar nicht so einfach ist, jedoch haben wir Glück.
Gleich unten am Meer, etwas weg von der Hauptstrasse, finden wir einen tollen Platz und das Highlight: Mitten in der Anflugschneise vom Provinzflughafen der Stadt. Die Flugzeuge fliegen so tief über unsere Köpfe hinweg, man kaum mehr näher dran kommen. Christine und Urs bereiten das Abendessen vor, während wir auf unseren Stühlen chillen und dann essen wir gemeinsam zu Abend und bleiben anschliessend noch eine Weile sitzen, ehe wir zu Bett gehen.
Wegen dem Lärm der Strasse, beschliessen Tobi und ich, unten zu schlafen.
Mit dem Vorsatz das Bett erst dann zu verlassen, wenn die Sonne aufgeht und mit ihrer Wärme die Kälte vertreibt, bleiben wir bis kurz nach halb zehn liegen. Anschliessend stehen wir aber auf und bereiten zusammen mit Christine und Urs das Frühstück zu, Rührei, Brot, Salami und Käse. Es herrscht wunderbares Wetter und wir geniessen die wunderschöne Aussicht auf das Schwarze Meer.
Während dem Frühstück sind wir uns alle einig, dass wir uns eigentlich in Batumi zu viert ein Apartment nehmen könnten, welches günstig und gut ist. Nach ein wenig Recherche auf booking.com, werden wir fündig und buchen gleich für drei Nächte, anschliessend machen wir uns auf den Weg in die Stadt.
Die Umgebung erinnert einen hier an Australien, denn man sieht Eukalyptusbäume und tropische Pflanzen, da kriegt man gleich Heimweh nach dem roten Kontinent. Wir erreichen am frühen Nachmittag die Stadt und das riesige Gebäude, wo unsere Unterkunft zu finden ist. Wir warten auf die Stellvertreterin des Vermieters, eine Russin, die kein Wort Englisch spricht, uns aber trotzdem alles erklärt. Mit einem Lift aus der Sowjet Zeit stammend, fahren wir in den neunten Stock hoch und freuen uns auf diese moderne und schöne Unterkunft mit Blick auf das Meer hinaus.
Zuerst braten wir uns die Spaghetti vom Vortag zusammen mit einem Salat, anschliessend wird erst mal geduscht und Kleider gewaschen, sowie alles eingerichtet. Da wieder einmal keine Aufhängevorrichtung zum Wäsche trocknen existiert, spannen wir auf eine weiteres Mal unser riesiges Waschseil durch die ganze Wohnung, um unser Zeug aufzuhängen. Anschliessend holen wir auch gleich noch die Bettwäsche mit hoch, denn auch diese muss wieder mal gewaschen werden.
Den Rest des Nachmittages verbringen wir mit plaudern, lesen, Blog schreiben, Musik hören und chillen, heute verlassen wir die tolle Wohnung bestimmt nicht mehr. Am Abend holen die Jungs noch Pizza und wir schauen uns Captain Balu und seine tolle Crew an, einfach so und weil es witzig ist und alte Kindheitserinnerungen weckt.
Erst spät am Abend ziehen wir uns auf unser Schlafzimmer zurück und gehen ins Bett.
Am nächsten Morgen sind Tobi und ich schon zeitig auf, während die anderen zwei noch schlafen. Wir hängen eine weitere Ladung Wäsche auf und machen uns dann zu Fuss auf den Weg zu einem nahegelegenen Einkaufszentrum, um frische Gipfeli, Eier, Orangensaft, etc . zu kaufen. Mit unserer Beute kehren wir zur Wohnung zurück und bereiten dann zu viert das Frühstück vor, Christina zaubert sogar noch einen frischen Fruchtsalat.
Danach begeben wir uns auf Sightseeing-Tour durch die Stadt, die doch erstaunlich modern und westlich zu sein scheint. Glänzende Wolkenkratzer aus Glas ragen hoch in den Himmel, neue Hotels wurden gebaut, Casino’s, Bars und Restaurants.
Wir verdonnern die Jungs zum Luftgewehrschiessen an einem Stand, anschliessend besichtigen wir einen Park und machen uns dann auf dem Weg zum Wahrzeichen der Stadt, Ali and Nino Statue of Love, eine Art mechanischer Kunst. Wir warten geduldig die zehn Minuten ab und schauen dann fasziniert zu, wie die beiden Personen einander zuerst küssen, nur um dann durcheinander hindurchzufahren.
Anschliessen geht’s weiter zum Cha Cha Tower mit der Schnapsfontäne, leider ist diese aber bereits abgeschaltet, da die Saison bereits vorbei ist. Wir schlendern durch das alte Viertel der Stadt, wo die Strassen noch eng und die Gässchen klein sind, der Teil der uns an dieser Stadt um einiges besser gefällt.
Da wir inzwischen ziemlich hungrig sind, setzen wir uns in ein Restaurant und bestellen verschiedene Salate, Khachapuri Imeruli und Auberginen mit Walnusspaste, was wir uns alles teilen und welches wahnsinnig gut schmeckt. Nach dem Essen geht weiter zum Sockenladen und kurz darauf bleiben wir bei einem wunderbaren Italiener hängen, der super Gelato, Tiramisu und Panna Cotta im Angebot hat und wir uns ein paar Desserts teilen.
Wir kehren erst zu unserer Wohnung zurück, als es bereits schon dunkel ist und dort setzen wir uns an den Tisch um Monopoly zu spielen. Dabei kriege ich eine Nachricht von einem Schweizer der im Hostel im gleichen Gebäude ein Zimmer hat und der sich gerne mit uns treffen würde. Christina und ich bringen ihn nach dem obligatorischen Pizza holen gleich mit hoch und so lernen wir den jungen Renato kennen, der mit seinem Fahrrad unterwegs ist.
So wird fleissig Bier getrunken und Monoply gespielt, wobei ich die Bank übernehme und aufpasse, dass die Bande sich nicht gegenseitig über den Tisch zieht.
Es wird spät, bis wir alle zu Bett gehen und das Licht löschen.
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Nach dem Frühstück am Sonntagmorgen mache Tobi und ich uns auf den Weg um unser Auto zu waschen und vollzutanken, wir wollen nämlich heute Abend die Fähre nach Bulgarien nehmen. Also machen wir uns gleich auf den Weg, fahren vorbei an Batumis Skyline und ein Stück aus der Stadt raus Richtung Hafen, wo wir eine Waschanlage finden. Für umgerechnet 5.- können wir dort unsere Karre waschen lassen und auf der Videokamera zuschauen und gleichzeitig einen Tee trinken.
Zurück bei der Wohnung wird geduscht und dann gehen Christina und ich noch einkaufen, vor allem einen Vorrat an georgischem Wein muss her. Da man im Laden gleich degustieren kann, probieren wir ein paar verschiede Weine, ehe ich mich für den einen oder anderen entscheide.
Zurück in der Wohnung machen wir alles startklar, der Rucksack für die Fähre ist gepackt, weil man während der Überfahrt nicht zum Auto darf. Anschliessend fahren wir zu viert zum tollen Italiener vom Vortag und treffen dort auf Renato, der schon auf uns gewartet hat. Zu fünft setzen wir uns an einen Tisch, bestellen Pasta, Pizza, Wein, verschiedene Salate, etc. welches wir uns alles teilen, es ist eine echt tolle Runde.
Leider erwischt uns nach dem Essen beim Auto ein richtig fieser Tiefschlag, der auch gleich unsere Pläne für die Fähre ändert. Jemand hat sich die Mühe gemacht unsere Seilwinde abzuschrauben und zu klauen, echt ne fiese Nummer, zudem ist auch gleich noch der linke Scheinwerfer verschwunden.
Ich rufe sofort die Versicherung an um den Diebstahl zu melden, dann fahren wir zum Apartment zurück um den Parkplatz zu kontrollieren. Wir gehen davon aus, dass jemand letzte Nacht die Seilwinde geklaut hat, da wir aber immer von hinten an unser Auto herangelaufen sind, haben wir es erst lange gar nicht bemerkt. Auf dem Parkplatz finden wir nur noch ein paar verschnittene Kabelbinder und das rausgerissene Kabel des Scheinwerfers.
Da wir ein Diebstahlprotokoll für die Versicherung brauchen, rufen wir die Polizei, die eine halbe Stunde später eintrifft und sich die Sache ansieht. Anschliessend können wir mit ihrem Auto mit Blaulicht auf den Posten fahren, wo wir nach einer Stunde warten, mit einem Übersetzer die Situation besprechen können. Nach über zwei Stunden verlassen wir den Polizeiposten wieder mit einem Diebstahlrapport für die Versicherung.
Wir kehren zur Wohnung zurück wo Christine und Urs schon auf uns warten, mit einer Flasche Eiswein auf dem Tisch. Wir trinken zusammen ein Glas und dann beschliessen Tobi und ich ganz spontan, die Fähre sausen zu lassen und zusammen mit den anderen zwei durch die Türkei zu fahren, runter in den Süden und hoffentlich der Sonne hinterher.
Da wir bei der Fähre keine fixe Buchung hatten, ist dies auch absolut kein Problem und so übernachten wir nochmals in der Unterkunft, mit der wir heute nicht gerechnet haben.
Am frühen Morgen sind wir zeitig wach und wollen als erstes duschen, jedoch ist leider der Boiler ausgestiegen, weshalb wir die Hausbesitzerin zuerst informieren müssen. Sie bietet uns kurz darauf an, in der unteren Wohnung zu duschen, was wir gerne annehmen.
Nach einem guten Frühstück räumen wir unsere Sachen ins Auto und machen uns startklar, inzwischen ist es schon fast Mittag, wir nehmen es heute gemütlich. Nachdem wir uns von der Hausbesitzerin verabschiedet haben, gehen wir zuerst zum Spar um Brot zu kaufen, anschliessend fahren wir die lange Strecke durch das Tal wieder Richtung Flachland.
Der Himmel ist bewölkt, heute soll es in den höheren Lagen Schnee geben, deshalb auch der Aufbruch, auf gefährliche Rutschmanöver verzichten wir gerne. Der lange Weg durch das Tal dauert Stunden, die Strasse ist zwar trocken doch an ein paar Stellen verschlammt, mit Schlaglöchern und Schotterpisten. Ein paar einzelne Schneeflocken begleiten uns bereits auf der Abfahrt, doch je tiefer wir kommen, desto mehr verwandelt sich der Schnee in Regen. Als wir wieder in Zugdidi ankommen, regnet es bereits in Strömen, das erste Mal seit Wochen, deshalb für uns nur halb so schlimm.
Wir fahren weiter und vorbei an der ersten Hafenstadt am Schwarzen Meer, Poti. Containerareale, LKW’s, komische Gestalten und Bahnübergänge, zum Glück ist es aber nicht unser heutiges Tagesziel. Wir fahren weiter und suchen uns etwas unterhalb der Stadt einen Übernachtungsplatz am Strand, etwas gedeckt, da anscheinend gerne die Polizei aufkreuzt und Touristen an andere Orte geleitet, wo sie anschliessend zahlen müssen. Das ist übrigens auch Christina und Urs passiert, die am Vortag unterhalb der Stadt gecampt haben.
An unserem Platz angekommen, gibt’s einfach Wienerli mit Senf und Brot zum Abendessen, für mehr haben wir keine Motivation. Ich schreibe noch ein wenig Blog und sortiere Bilder, anschliessend lassen wir die Standheizung laufen und kriechen in unsere Schlafsäcke.
Am nächsten Morgen haben sich die Wolken wieder verzogen und ein erster Sonnenstrahl erhellt unser Klappdach. Wir räumen zusammen und machen uns auf die Suche nach frischem Brot, weil wir uns mit Christina und Urs zum Frühstücken verabredet haben. Die beiden sind ca. 30 Km von uns entfernt und haben einen tollen Platz am Strand gefunden, sie erwarten uns bereits als wir ankommen und mit ihnen eine ganze Hundemeute.
Während wir uns begrüssen und gemeinsam Frühstück machen, kommen drei Einheimische die jeden Tag am Morgen und am Abend ein Nacktbad im Meer nehmen, Yoga machen und dann wieder zu ihrer Hütte gehen. Bei uns bleiben sie anschliessend stehen um zu plaudern, der eine bringt uns dann auch noch einen eigenen Rotwein, den man absolut nicht trinken kann, weil er so sauer ist. Später gehen die drei wieder, wir jedoch entschliessen uns, den ganzen Tag hier zu chillen und die Sonne zu geniessen.
Christina und Urs gehen später noch nach Batumi um den botanischen Garten zu besuchen, ich inzwischen koche für uns alle einen riesigen Topf Spaghetti, weil wir unbedingt unsere Sachen aufbrauchen müssen, wegen der Fähre. In der Zwischenzeit begibt sich Tobi auf Holzsuche, was hier ziemlich schwierig ist, da trotz Tannenwäldchen hinter uns, schon alles ziemlich abgegrast ist. Er sammelt den grössten Teil an Schwemmholz auf, und legt alles zum Trocknen in der Sonne auf.
Ich füttere unsere vierbeinigen Streunerfreunde, die ganz zufrieden um unsere Stühle herum auf dem Boden liegen und schlafen. Weiter hinten bei der Hütte wo der eine von den Jungs wohnt, gibt es sechs kleine Hundewelpen, nach denen Christina ganz verrückt ist, sie hat sogar zusammen mit Urs einen Sack Hundefutter vorbeigebracht, die Mutter von den Kleinen ist leider unauffindbar. Nun kümmern sich die Jungs um die Hunde und versuchen für sie ein Zuhause zu finden.
Gegen den frühen Abend kehren Urs und Christina zurück die noch Wein und Bier gekauft haben und zu viert setzen wir uns an den Tisch und essen Spaghetti. Nach dem Abwasch zünden wir das Feuer an und die anderen drei Einheimischen gesellen sich ebenfalls zu uns, es ist eine total friedliche und gemütliche Runde. So bleiben wir noch bis morgens um zwei draussen, hören Musik und betrachten den wunderschönen Sternenhimmel und obwohl es ziemlich kühl ist, wärmt uns das Feuer wunderbar.
Erst als uns das Feuerholz ausgeht, gehen wir alle zu Bett.
Der nächste Morgen bricht an und mit ihm wieder einmal perfektes Wetter. Wir frühstücken gemütlich und holen dann den Kühlschrank vom Auto in die Wohnung, um den mal wieder so richtig zu putzen. Anschliessend holt Tobi noch unser Fleece Schlafsäcke und alle Kissenbezüge, die wir allesamt in die Waschmaschine schmeissen.
Während das Zeug in der Waschmaschine seine Runden dreht, mache ich mich an die Arbeit, es gilt die Buchhaltung zu führen und Blogbeiträge nachzuholen, Bilder zu sortieren und alles hochzuladen. Tobi macht sich in der Zwischenzeig mit dem Auto auf den Weg, um einen Gletscher zu besichtigen.
Gerade als ich anfange, die Schlafsäcke, etc. an unserer Wäscheleine aufzuhängen, kehrt er auch schon wieder zurück, weil die Strasse zum Gletscher komplett gesperrt ist. Er macht es sich auf der Couch gemütlich und surft ein wenig im Netz, während ich meine Arbeit fertigmache.
Anschliessend machen wir uns zu Fuss auf den Weg ins Dorf, um uns dort noch ein wenig umzusehen. Wir sind beide hungrig weil wir seit dem Morgen nichts mehr gegessen haben und es schon fast vier Uhr ist, weshalb wir zuerst einkehren, wo ich einen Salat esse und Tobi eine swanetische Schweinswurst bestellt.
Nach dem Essen müssen wir zuerst noch unsere Handys aufladen, anschliessend tingeln wir entspannt durch das Dorf. Hier wird fleissig gebaut wie es scheint, Hotel an Hotel, Restaurant an Restaurant und Bar an Bar.
Der Tourismus zieht an, besonders im Sommer und im Winter, denn abgesehen von schönen Bergwanderungen, gibt es hier auch ein Skigebiet, das gerne von Einheimischen sowie Touristen, gerne genutzt wird. Die meisten Häuser sind aus Stein und Holz gebaut, mittendrin sieht man manchmal aber auch eine unfertige Betonruine stehen, ein Schandfleck für das Ortsbild. Auch hier stehen alte Wehrtürme zwischen neuen und alten Gebäuden, hoch ragen sie über den Häuserdächern auf.
Wir schlendern lange in der Kälte herum, bevor es uns in eine Weinbar verschlägt wo wir ein gutes Gläschen georgischen Wein trinken. Anschliessend teilen wir uns in einem Restaurant noch einen Teller frischer Khinkali, dann kehren wir langsam zum Apartment zurück, ab an die Wärme, denn draussen ist es nachts wirklich saukalt.
Den Rest des Abends verbringen wir mit lesen und chillen, später geht es dann ab in die Federn.
Bilder haben wir heute keine gemacht, sondern die Kamera mal ganz bewusst in der Wohnung gelassen. 😉
Wir sind um kurz nach acht auf den Beinen und nach einer heissen Dusche und einem guten Frühstück, machen wir uns auf den Weg nach Ushguli, welches in Oberswanetien liegt.
Ushguli liegt auf 2200m und direkt unterhalb eines riesigen und wunderschönen Gletschers, rund 200 Menschen leben in diesem Dorf. Ushguli und ganz Swanetien ist berühmt für seine Wehrtürme die im frühen Mittelalter gebaut wurden, um sich vor dem Feind zu verstecken. Jede Familie oder Familienverband hatte damals seinen eigenen Turm gebaut, heutewerden sie aber nicht mehr als solche benutzt, sondern gelten sie als beliebtes Touristenziel.
Die Strasse dahin ist anfangs ziemlich gut, wird aber anschliessend immer schlechter und wir brauchen für die knapp 30Km fast zwei Stunden, bis wir im Ort eintreffen. Doch der Besuch lohnt sich, denn hier trifft man auf eine Ursprünglichkeit, wie man sie in Zukunft nur noch selten antreffen wird. Der untere Teil des Dorfes unterliegt sogar dem UNESCO Kulturwelterbe, weil die Häuser noch aus uralten Schiefersteinen bestehen.
Nachdem wir unser Auto parkiert haben, trinken wir zuerst einen heissen Tee und begeben uns dann auf Erkundungstour. Die Türme sind unglaublich, wie sie so über den alten Häuschen aufragen und das Tal zu überblicken scheinen. Es stehen noch erstaunlich viele und die einen werden auch instandgehalten, damit sie nicht zusammenstürzen.
Wir gehen durch uralte Strässchen und betrachten die Häuschen aus Stein und Holz, die mich an unsere Bergdörfer in der Schweiz erinnern. Direkt hinter dem Dorf sieht man den höchsten Berg in Georgien, der Schchara, mit einer Höhe von 5201m, bei klarem Wetter eine atemberaubende Kulisse. Wir erklimmen einen Hügel und blicken dabei direkt auf den Gletscher, der in der Sonne richtig weiss glitzert, was für eine Schönheit.
Anschliessend gehen wir noch lange durch die einzelnen Teile des Dorfes, betrachten weitere Türme und Häuschen und kehren erst spät zum Auto zurück. Da es hier oben früh dunkel wird, machen wir uns auf den Rückweg nach Mestia, wo wir nach weiteren eineinhalb Stunden Fahrt eintreffen.
Im Dorf trinken wir etwas und kaufen dann frisches Brot ein, anschliessend fahren wir zurück zum Apartment und schalten die Heizungen an, denn es ist ziemlich kühl. Das letzte Tupperware mit Gulasch wird aus dem Kühlschrank genommen und aufgewärmt, dazu gibt es Brot und ein Glas Wein. Nach dem Abwasch bleiben wir noch eine Weile sitzen und besprechen unsere letzten Tage in Georgien.
Wir werden hier eine Nacht verlängern weil es uns super gefällt, doch anschliessend geht es wieder den Berg runter und ans Meer.
Erst spät am Abend löschen wir die Lichter und gehen zu Bett.
Am frühen Morgen trinken wir mit der Dame des Hauses noch einen Kaffee und bedanken und verabschieden uns dann herzlich von ihr, denn trotz ihrer sehr störrischen Art, ist sie eine herzensgute Person.
Anschliessend gehen wir tanken und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten ein, dann geht’s ab Richtung Norden zum grossen Kaukasus, genauer gesagt, nach Mestia. Es liegt ein ganz schönes Stück Fahrt vor uns, weshalb wir uns ein wenig ranhalten müssen. Der Verkehr hält sich mehr oder weniger in Grenzen, nur die verdammten Sonntagsfahrer vermasseln uns ständig die Tour. Mit halber Geschwindigkeit schleichen sie über die Strassen und wechseln dabei ständig von links nach rechts und von rechts nach links, überholen ist dabei entweder fast unmöglich, oder saugefährlich.
Wir fahren vorbei an Wirtschaftsland und Weinreben, dabei kommen die Berge immer näher und es geht langsam bergauf. In Zugdidi essen wir ein Acharuli Khachapuri und fahren dann weiter in Richtung Kaukasus, wobei wir schon die Schneespitzen erkennen können. Die Landschaft ändert sich und schon bald fahren wir durch ein grosses Tal mit einem Stausee und dem dazugehörigen Fluss, der ihn speist.
Die Felswände um uns herum werden höher und höher, die Strasse immer steiler und der Boden an teils Stellen wo die Sonne nie scheint, ist gefroren. Ein zweimal stelle ich fest, dass ich trotz sehr vorsichtiger Fahrt leicht rutsche, ein manchmal unangenehmes Gefühl, vor allem dann, wenn es rechts von einem das Loch runter geht. Irgendwann während der Fahrt stellen wir fest, dass das ganze Tal voll mit dichtem Rauch ist.
Die Antwort darauf: Die Leute heizen mit Holz und verbrennen gleichzeitig das ganze Laub, welches sich im Herbst angesammelt hat, was zu riesigen Rauchschwaden führt, welche aber durch die kalte Luft weiteroben, nicht richtig abziehen kann. Der Rauch steht buchstäblich in der Luft und wird somit immer dichter und dichter.
Da vor uns noch gute 30 Km liegen und wir noch höher hochfahren, hoffen wir, dass es in Mestia besser aussieht als hier. Das Glück ist uns hold, denn in Mestia ist die Luft wieder klar und gibt uns die Aussicht auf eine wunderschöne Bergkulisse frei, aber auch auf die hohen Türme, für die die Region Swanetien, wie man sie nennt, bekannt ist. Mehr zu den Türmen selbst, gibt es aber im nächsten Beitrag.
Spontan beschliessen wir, anstatt uns auf knapp 2000m den Hintern abzufrieren, eine günstige Ferienwohnung zu mieten und finden so ein kleines, vollausgestattetes Apartment etwas ausserhalb des Zentrums von Mestia, für 25.- pro Nacht. Das Haus sieht von aussen aus wie eine Bruchbude doch die Apartments darin sind blitzsauber, schön und sehr gut eingerichtet, da kann man überhaupt nichts dagegen sagen.
Tamara, die Gastgeberin erwartet uns bereits mit Cha Cha und Süssgebäck, bevor sie den brandneuen Ofen einheizt. Leider hat sie dabei nicht bedacht, dass die Farbe beim ersten Mal Heizen zuerst einbrennen muss, innert Minuten ist die ganze Bude voller Rauch. Wir öffnen Fenster und Türen und während Tamara in der Wohnung herumwuselt, lacht ihre alte Mutter draussen laut aus ihrem zahnlosen Mund. Auch wir müssen grinsen, sind wir uns solche Situationen schon lange gewöhnt. Wir helfen Tamara und sie quartiert uns anschliessend einen Stock höher ein, wo die Wohnung genau so super ist, wie die untere.
Am späteren Abend wärmen wir die Resten vom Gulasch noch auf und öffnen eine Flasche guten Wein von der Krim, während gleichzeitig die Waschmaschine läuft. Ein Waschseil haben wir natürlich schon quer durch die Wohnung gespannt, um danach alles aufzuhängen. Anschliessend wird noch eine Weile gechillt und dann geht’s ab ins Bett.
Unser Kalb (grosser Hund) hat seinen Teil der Vereinbarung eingehalten und kriegt von uns am nächsten Morgen eine grosse Dose gehacktes Fleisch, welche wir noch aus Russland dabeihaben. Zufrieden mampft er sein Frühstück und auch wir essen kurz was, bevor wir zusammenräumen und uns auf die Suche nach einer heissen Dusche machen, denn hier im Wind des Todes ist es undenkbar, unser Duschzelt aufzuschlagen.
Also schauen wir mal bei iOverlander was andere so geschrieben haben und klappern dann die ersten zwei Punkte ab, leider ohne Erfolg. Anschliessend fahren wir zu einem Indoor Schwimmbad, welches ausser Betrieb ist und das Gebäude auch schon bessere Tage gesehen hat.
Wir entschliessen uns, uns auf den Weg nach Kutaissi zu machen und dort nach einer Möglichkeit zu suchen, hier werden wir nichts mehr finden. Kutaissi ist nach Tiflis und Batumi die drittgrösste Stadt in Georgien und ist noch ca. 75Km von uns entfernt. Wir machen uns auf den Weg und holpern dabei auf einer miserablen Strasse durch ein wunderschönes Tal mit hohen Felsen und einem breiten Fluss, dessen Wasser tiefblau ist. Wieder scheint die Sonne und wir haben wahnsinnig Glück mit dem Wetter, denn bisher hatten wir in Georgien und in Armenien kaum schlechtes Wetter. Die Stracke bis nach Kutaissi zieht sich weil wir dank schlechter Strasse nur langsam vorankommen, trotzdem ist die Fahrt sehr schön.
Wir erreichen Kutaissi am frühen Nachmittag und da wir hungrig sind, gehen wir zuerst mal etwas essen. Im Palaty, einem kleinen georgischen Restaurant, welches wir bestens weiterempfehlen können, bestellen wir Pelmeni im Pot und Ojakhuri, dazu wie immer unsere heissgeliebten Auberginen mit Walnusspaste. Das Essen ist super fein und wir sind wieder einmal mehr begeistert von der georgischen Küche, ich werde mir in der Schweiz bestimmt ein Kochbuch besorgen. Anschliessend nehmen wir uns die Zeit um ein wenig durch die Altstadt von Kutaissi zu schlendern und uns die älteren Gebäude anzusehen. Der Ort gefällt uns mit den kleinen Gässchen und viele Cafés, hier herrsch eine gemütliche Atmosphäre.
Mit dem Auto fahren wir anschliessend hoch zum Hotel Eleganti wo man laut iOverlander für einen kleinen Aufpreis duschen kann, doch als wir ankommen ist die Eingangstür zwar offen, aber niemand hier. Im Garten werden wir dann fündig und treffen auf eine ältere, zähe, leicht untersetzte Frau, die von uns je fünf Dollar für eine Dusche verlangt. Das schient uns doch etwas genug zu sein, jedoch lässt sie anfangs kaum mit sich verhandeln und wir geben nach.
Nach der Dusche zahlen wir dann doch etwas weniger und sie lädt uns zu Kaffee und Kuchen ein, sowie dazu, bei Ihr auf dem Parkplatz zu übernachten. Ein Blick auf die Uhr teilt uns mit, dass es für eine Weiterfahrt doch schon ziemlich spät ist und wir nehmen die Einladung gerne an und schlagen auf dem Parkplatz unser Lager auf.
Anschliessend machen wir es uns auf ihrer Terrasse gemütlich und geniessen die letzten Sonnenstrahlen, ehe sie hinter den Bergen verschwindet. Ich gehe früh zu Bett, während Tobi draussen noch ein Bier trinkt.
Es ist eine eiskalte Nacht und wir verlassen unser Bett erst, als die Sonne hinter den Bergen hervorkommt. Auch Christina und Urs kommen nicht eher raus, weshalb wir dann alle mehr oder weniger gleichzeitig auf den Beinen sind.
Christina macht sich gleich an die Arbeit und bratet für uns wunderbare Bananen Pancakes, das perfekte Frühstück nach einem feuchtfröhlichen Tag / Abend. Dazu gibt’s heissen Kaffee und während um uns herum noch komplett zugefroren ist, wärmen uns die Sonnenstrahlen und der Kaffee herrlich auf.
Nach dem anschliessenden Abwasch müssen wir leider von den beiden wieder Abschied nehmen, denn wir fahren in unterschiedliche Richtungen weiter. Also wird nochmals herzlich umarmt und gewinkt, dann tuckert der rote Bus auch schon davon und wir ebenfalls.
Wir fahren wieder ein Stück durch das lange Tal, kaufen unterwegs ein Imeruli Kachapuri Take Away und verlassen dann die gutgeteerte Strasse, um auf eine Piste abzubiegen, die uns durch den mittleren Kaukasus und über den Jvari Pass bringt. Das Wetter ist absolut perfekt, keine Wolke ist am Himmel zu sehen und als wir aus dem dunklen Wald heraus kommen, erhalten wir eine atemberaubende Aussicht auf das grosse Kaukasusgebirge, deren Schneespitzen in der klaren Luft sehr gut zu sehen sind.
Oben auf dem Pass ist es erstaunlich warm trotz der Höhe, denn die Sonne ist auch in der Winterzeit noch erstaunlich stark. Auf der anderen Seite des Passes liegt noch ein kleiner Rest Schnee, an der Stelle wo die Sonne am wenigsten hinkommt. Zum Fahren aber absolut kein Problem obwohl unsere Mud Terrain Reifen denkbar ungeeignet sind, was diesen Untergrund betrifft.
Die Abfahrt zieht sich ewig durch unebenen Boden und dichtem Laub, doch die Fahrt ist wunderschön und wir geniessen es sehr. Unten angekommen, fahren wir weiter bis wir aus dem Tal herauskommen und von erstaunlich warmem Wind empfangen werden, der vom Schwarzen Meer zu kommen scheint.
Die Böen sind ziemlich stark und da es Zeit für einen Schlafplatz ist, machen wir uns auf die Suche und werden in der Nähe eines Staudamms fündig, wo wir uns für die Nacht einrichten.
Wir montieren unsere Zusatzwände und essen nur noch etwas Kleines, bevor wir in unsere Schlafsäcke kriechen.
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Auch am nächsten Morgen windet es noch wie verrückt und nach einem kurzen Frühstück beschliessen wir, zum Shaori Reservoir hochzufahren, wo wir heute Abend übernachten werden. Dazu werden wir durch georgisches Hinterland fahren, wo es vermutlich noch nicht allzu viel Tourismus gibt.
Wir nehmen unsere Zusatzwände runter, rollen sie sorgfältig auf und verstauen sie in der Dachbox, dann machen wir uns startklar und tuckern anschliessend los. Wir fahren über den Staudamm und dann Richtung Tschiatura, eine kleine Stadt die ganz viele Seilbähnchen hat, um auf die umliegenden Felsen zu gelangen. Nach einer Stunde Fahrt durch Dörfchen, Weinberge und Laubwälder, kommen wir in oben genannter Stadt an und stellen enttäuscht fest, dass hier schon seit einer Weile keine Gondeln mehr auf die Felsen fahren. Alles ist komplett stillgelegt und auch was die Stadt selbst betrifft, gibt es hier nicht besonders viel zu sehen.
Trotzdem begeben wir uns zu Fuss auf eine kleine Erkundungstour, wobei wir ein Stück an einem sehr verschlammten Fluss entlanggehen. Die Gebäude wirken vernachlässigt und haben tiefe Risse, alles sieht ungepflegt und abbruchreif aus, auch wenn in den Häusern immer noch Menschen leben. Ich kaufe eine Flasche günstigen Pirosmani Wein für mein Gulasch und dann trinken wir noch einen Kaffee.
Abschliessend kehren wir zum Auto zurück und machen uns auf den Weg zum Shaori Reservoir. Dabei fahren wir durch wunderschöne Hügel und Berglandschaften und sind dabei ziemlich lange unterwegs, ehe wir beim Reservoir ankommen. Wieder ist es sehr windig und wir müssen auch heute die Zusatzwände montieren, damit wir eine ruhige und etwas wärmere Nacht haben.
Georgien ist voll mit Streunern und so haben wir auch heute ein Haustier, einen riesigen Hirtenhund, so gross wie ein Kalb. Während ich im Auto Zwiebeln und Paprika, Knoblauch und Fleisch Schneide, kriegt er ein paar Stücke vom Fleisch ab, mit dem Befehl, nachtsüber die Klappe zu halten und nicht zu kläffen. Dieser Deal scheint im Recht zu sein und zufrieden schnappt er nach den Fleischbrocken, die Tobi ihm zuwirft.
Nachdem mein Gulasch im georgischen Rotwein schön geköchelt hat, essen wir wunderbar heiss zu Abend, wie immer die perfekte Mahlzeit bei kühlem Wetter. Anschliessend wird der Abwasch erledigt und aufgeräumt, dann gehen wir bald ins Bett.
Um halb sieben klingelt der Wecker und Tobi und ich schmeissen als erstes die Standheizung an und warten dann, bis es einigermassen warm genug ist, dass wir uns beim Anziehen nicht den Hintern abfrieren. Anschliessend machen wir uns sogleich startklar denn um elf Uhr beginnt unser gemeinsames georgisches Wine & Beer Tasting mit Christina und Urs aus dem Bündnerland.
Wir fahren die restlichen 80 Km durch das Tal und treffen dann in Aspindsa ein, wo wir beim Bäcker des Vertrauens ein wunderbar frischgebackenes Brot kaufen, welches unser Frühstück sein wird. Bei der Fahrt nach Aspindsa haben wir nämlich unten am Fluss den kleinen roten Toyota Bus von den Bündnern entdeckt, auf den wir nun
direkt zusteuern. Die beiden haben uns ebenfalls schon gesehen und winken, dann wird erstmal Hallo gesagt und dann gibt es Frühstück. Die beiden haben zwar schon gegessen, doch welcher Schweizer sagt schon nein zu Käse und Schüblig mit warmem frischgebackenem Brot? 😀
Als es Zeit ist, brechen wir auf und fahren die drei Kilometer nach Aspindsa zurück, wo wir von Anni und Toni begrüsst werden, die uns durch den heutigen Tag führen. Zuerst fahren wir zu einem Parkplatz wo wir die Autos sicher parkieren können, dann geht es im Opel von Toni zum ersten Weinbauern, der seinen Wein in alten Amphoren-Fässern keltert.
Manuk der den Betrieb von seinem Vater übernommen hat und etwas Englisch spricht, zeigt uns seinen Keller mit den dicken Betonmauern, wo die Amphoren eingemauert sind. Die Mauern sind so dick, damit die Temperatur der Amphore sich nicht verändern kann, sondern mehr oder weniger gleich bleibt. Hier kriegen wir unseren ersten Rotwein zum Probieren und es sollte an diesem Tag nicht der letzte sein. 😀 Der Wein ist nicht schlecht, jedoch etwas gewöhnungsbedürftig, weil man den Geschmack der Amphore deutlich wahrnimmt. Den Weisswein finde ich persönlich überhaupt nicht gut, doch dies ist Geschmackssache. Dazu gibt es frische Äpfel aus dem Garten, von denen wir am Ende noch ein paar mitnehmen dürfen.
Nach dem ersten Bauern geht es zum zweiten und dort spürt man jetzt doch deutlich den Unterschied, ob der Wein in der Amphore oder in einer riesigen Glasflasche gelagert wird. Der Rotwein in der Amphore riecht so stark nach alten Mauern, dass es schon nicht mehr schön ist, doch der aus der Flasche wiederum ist sehr gut. Der Bauer lässt es sich natürlich nicht nehmen, allen noch einen Cha Cha anzubieten, der so stark ist, dass man ihn auf einem Teller anzünden kann. Wir stellen ziemlich schnell fest, dass ein georgisches Wine & Beer Tasting vor allem bedeutet, gemütlich zusammenzustehen, zu essen und zu trinken und zu plaudern und fühlen uns dabei sehr wohl.
Nachdem Toni uns noch sein Haus gezeigt hat, fahren wir zur Bierbrauerei und lassen uns dort mit frischem Bier und wunderbarem Essen verköstigen, mit georgischem Gesang und Tanz und viel Gelächter. Wir haben richtig viel Spass und amüsieren uns prächtig, ist ein absolut perfekter Tag.
Am Abend kehren wir zu unseren Fahrzeugen zurück und fahren damit zum 3 Km entfernten Flussufer, wo wir uns für die Nacht einrichten. Während der Boden schon gefriert, entzünden wir zu viert ein wunderbar warmes Feuer und lassen diesen wunderschönen Tag bei einem Bierchen ausklingen.