22.+23.08.2019. Zwei Tage in Bischkek

Eine richtig stille Nacht liegt hinter uns und wir erwachen ausgeschlafen und gut gelaunt, während die ersten Sonnenstrahlen auf unser Auto scheinen.
Wir ziehen uns an und fahren vorsichtig über die spitzen Steine, zurück zur Hauptstrasse Richtung Bischkek.
Es herrscht anfangs wenig Verkehr und wir fahren durch wunderschöne Täler mit roten Felsen und Sandstein, wie Säulen ragen sie links und rechts von uns auf.
Wir fahren gemütlich und geniessen dabei den Blick auf die ständig ändernde Umgebung.
Als es kurz elf ist, halten wir bei einer Raststätte an um etwas zum Frühstück/Mittag zu essen, es gibt ein Buffet mit verschiedenen Speisen.
Man kann wählen zwischen Kuurdak, Plov, Lagman und einer Art Suppe mit Kartoffeln, Gemüse und Fleisch, was ich bestelle.
Tobi entscheidet sich für einen Teller Plov, was übrigens einfach gebratener Reis mit Gemüse und Lamm oder Rindfleisch ist.
Das Essen ist günstig und gut, dazu trinken wir je ein Glas Kompott und beobachten dabei die vielen Leute die hier ebenfalls schon am essen sind.
Nach dem Essen fahren wir weiter und folgen dabei einem reissenden Bergbach, beides führt uns durch weitere schöne Täler und Schluchten.
Bergtechisch hat Kirgisistan wirklich viel zu bieten, so auch hier wieder.
Irgendwann jedoch lassen wir die Berge ein wenig hinter uns und nähern uns dabei immer mehr dem Stadtverkehr von Bischkek.
Lada’s sind ja eigentlich wirklich tolle Autos, aber so wie es scheint, absolut unzuverlässig.
Des Öfteren wird hier der Verkehr blockiert durch Lada’s, deren Besitzer verzweifelt versuchen, die Karre aus dem Weg zu schieben.
In der Tat kommen wir kaum mehr voran, bis wir endlich auf einer Umfahrungsstrasse landen.
Der Grund für das Verkehrschaos ist, dass hier sogleich die kasachische Grenze liegt, wo man innert 300 Km Almaty erreicht.
Zum Glück kommen wir auf der Umfahrungsstrasse sehr gut voran und als ich so auf mein Handy gucke, erreicht mich dabei via Whatsapp noch die erfreuliche Nachricht von der DHL, das unsere Dokumente in ihrer Filiale in Bischkek eingetroffen sind.
Da freuen wir uns doch und machen uns sogleich auf den Weg dahin, um unser kleines Paket abzuholen, welche unsere russischen Visa enthalten.
Froh, unsere Zweitpässe wiederzuhaben und vor allem das diesmal alles reibungslos geklappt hat, fahren wir zu einem Hostel wo wir bei der Ankunft fragen, ob wir im Garten campen dürften.
Wir zahlen gleich für zwei Nächte insgesamt 1200 Som (ca. 17 Fr.) und richten uns ein.
Danach wird erstmal geduscht, anschliessend kommen wir mit zwei Schweizern ins Gespräch und unterhalten uns eine Weile.
Ich nutze den Rest des Tages um Beiträge nachzuholen und hochzuladen, dann warten wir auf Margit und Heinz, die zusammen mit Kimba dem Labrador auf dem Weg zu uns sind.
Wir haben uns in Bischkek zum Abendessen verabredet und freuen uns nun so richtig auf die drei.
Kurz nach halb sieben treffen sie dann endlich ein und das Wiedersehen verläuft herzlich, wie immer.
Die zwei machen sich kurz frisch und anschliessend machen wir uns zu viert mit dem Taxi auf den Weg in ein Brauhaus, dass sie bei iOverlander entdeckt haben.
Dort angekommen wollen Tobi und ich eigentlich Schnitzel bestellen, jedoch haben die keins, schade wir hatten uns so darauf gefreut.
Tobi bestellt sich ein Steak mit Kräuterbutter und Pommes, Margit und ich nehmen beide Rindsfilet mit Pommes, Heinz will sich eigentlich ein Cowboy Steak bestellen, doch der Kellner meint auch hierzu, dies hätten sie nicht.
Es scheint wohl, dass der Besitzer dieser Brauerei nicht mehr hier ist und jemand anderes den Laden übernommen hat, was etwas schade ist.
Doch das Essen ist sehr fein und auch die Salate die wir im Voraus bestellt haben, sind toll.
Dazu gibt’s hausgebrautes Bier und Margit und Heinz laden uns am Ende sogar noch ein, was so mega lieb ist, herzlichen Dank nochmals dafür ihr Zwei.
Später am Abend fahren wir mit dem Taxi zurück zum Hostel wo wir noch lange plaudern und erst kurz vor eins ins Bett gehen.

Am Freitagmorgen schlafen wir bis kurz nach acht und stehen dann auf, um für uns vier in einer guten Bäckerei was zum Frühstück einzukaufen.
Der Weg führt uns dabei an einer gepflegten Parkanlage entlang, vorbei an beschäftigten Strassen mit ungeduldigen Verkehrsteilnehmern.
In der Bäckerei lässt uns so manche Leckerei das Wasser im Mund zusammenlaufen doch wir reissen uns zusammen und kaufen nicht zu viele Süssigkeiten ein.
Auch frisches Brot und Pain au Chocolat, Croissants und Cheese Cake, kommen nicht zu kurz.
Mit unserer Beute machen wir uns auf den Rückweg wo Heinz ebenfalls schon in seiner Küche rumwerkelt, Margit ist in der Zwischenzeit mit Kimba auf einem Spaziergang unterwegs.
Zu viert setzen wir uns anschliessend an den Tisch und frühstücken gemütlich, während Kimba die alte Bettelliese sich ausgiebig darum bemüht, jeden Krümel der herunterfällt aufzuschnappen und sofort zu verdrücken.
Später macht Heinz sich auf den Weg um ebenfalls die russichen Visa beim Konsulat abzuholen, sie haben für die Strecke zwischen Kasachstan und Georgien ein Transitvisum beantragt, leider dabei aber nur die maximalen zehn Tage gekriegt.
Da wir halt nicht so schnell unterwegs sind mit unserem Auto, haben wir uns deswegen für ein 30-tägiges Touristenvisum entschieden, um Stress zu vermeiden.
Zufrieden kehrt er mit ihren Pässen zurück und nachdem wir noch bis kurz vor Nachmittag geplaudert und gelacht haben, verabschieden sich die zwei wieder, sie fahren weiter bis zum Son Köl, wo wir hergekommen sind.
Wir hoffen, sie irgendwo wieder anzutreffen.
Ich mache mich an die Arbeit um die tadschikischen E-Visa für mich und Tobi zu beantragen und scheitere dabei kläglich an dem beschissenen Transakt App, das bei mir irgendwie wieder nicht funktioniert.
Die Folge davon: Mein Antrag wird eingefroren weil ich mitten in der Zahlung abbrechen muss, um in die Schweiz zu telefonieren.
Ich erkläre der armen Dame am anderen Ende der Leitung genervt mein Problem und beschwere mich dabei noch über die Entwicklung dieses unnötigen Apps, bin dann aber doch ganz zufrieden, dass sie alles für mich einrichten kann.
Schlussendlich kostet das Telefonat stolze sechzig Franken, immerhin funktionieren jetzt die Zahlungen wieder.
Tobi’s Visum kann ich somit beantragen, bei meinem muss ich an die vierundzwanzig Stunden warten, bis ich es nochmals versuchen kann, toll…
Visa-Anträge sind der Horror wenn was beim Antrag nicht klappt und man nicht weiss wo man steht, ich höre auch immer wieder von anderen die dabei fast an die Decke gehen.
Dank dieser ganzen Aktion ist der Rest des Tages dabei auch schon wieder fast vorüber, das einzige was mich von der schlechten Laune abbringt, ist ein Abendessen beim Inder.
Kurt hat mir dabei schon  einen Tipp gegeben und so machen Tobi du ich uns wegen strömendem Regen mit Yandex App auf den Weg ins Stadtzentrum.
Wir betreten «The Host», wie der Laden heisst und bestellen Samosa, Curry und Byriani, Jeera Rice und dazu eine Kanne Grüntee.
Kurt hat nicht zu viel versprochen, das Essen ist absolut fantastisch und stellt mich gleich wieder auf.
Nach dem essen gehen wir die fünf Kilometer gemütlich zu Fuss zurück und gehen dabei durch weitere Parks, am Nationalmuseum und riesigen Plätzen mit alten Gebäuden vorbei, die den kern der Stadt bilden.
Die grosse kirgisische Fahne weht im Wind, das Rascheln des Stoffes ist leise zu hören.
Ihre Wachen stehen unbeweglich wie Wachsfiguren auf ihren Posten, sie lassen sich nichts entgehen und sind dabei selbst aber total unauffällig.
In einem Supermarkt holen wir eine grosse Flasche Wasser und als der Regen wieder einsetzt, sind wir froh um den riesigen roten Toyota Regenschirm, den wir in der Garage in Vladivostok geschenkt bekommen hatten.
Zurück im Hostel, putzen wir uns dann nur noch die Zähne und gehen sogleicht ins Bett.


Kommentar verfassen