29.07.2019. Wir fahren weiter bis nach Öskemen

Der Fluss zieht ruhig an uns vorbei als wir am Morgen aus dem Auto klettern und es uns mit einem Kaffee gemütlich machen.
Da es gerade noch angenehm windstill ist, beschliessen wir auch sogleich noch zu duschen.
Tobi stellt das Duschzelt auf, ich koche Wasser auf und nach einem Waschbecken voll heissem Wasser fühlen wir uns wieder sauber und frisch.

Nachdem wir zusammengepackt haben, fahren wir zum Police Department wo wir wegen der Registrierung nochmals nachfragen, die Dame am Schalter verweist uns auf die Rückseite des Gebäudes.
Dort staunen wir nicht schlecht, es stehen fast fünfzig Leute an die mit ihren Pässen herumfuchteln und miteinander diskutieren.
Niemand weiss wo er hinmuss, es herrscht Chaos und wir stehen da und fragen uns, ob das ganze ein Witz sein soll?

Irgendwann reisst mir wie immer der Geduldfaden und ich nehme meinen Pass und laufe direkt ins Büro rein, halte der Dame hinter dem Tisch den Pass unter die Nase und frage, ob wir auch noch so ein zusätzliches Dokument ausfüllen müssten, um die Registration zu vollziehen.
Sie studiert meinen Pass und die Migrationskarte und gibt ihn mir mit einem «no registration», zurück, wir müssen uns also gar nicht registrieren lassen.
Soviel ich nachher erfahren habe, reicht es wenn auf dem Migrationszettel zwei Stempel aufgedruckt sind, damit man sich nicht nochmals zusätzlich registrieren muss.

Wir verlassen das Gebäude wieder und fahren zu einem Monument, welches für die Opfer von den Nukleartests hier in Semei resp. damals Semipalatinsk gemacht wurden.
Es ist ein ehemaliges Kernwaffentestgelände aus der Zeit der Sowjet Union und von 1949-1989 wurden hier 496 nukleare Bombentests für überwiegend militärische Zwecke durchgeführt.
Dies blieb leider für die Anwohner hier nicht ohne Folgen, Gendefekte bei neugeborenen Kindern, Krebs, Fehlgeburten, etc. dies alles ist bis heute 30 Jahre nach der Stilllegung des Testgebietes noch an der Tagesordnung.
Die gemessene Strahlung ist 400 Mal höher als sie nach dem empfohlenen Wert sein sollte.

Das Monument welches wir besuchen ist sehr schön gestaltet, es zeigt eine Frau die mit ihrem Körper ihr Kind schützt, um es vor den atomaren Strahlen zu bewahren.
Der Ort ist still und wunderschön, ein Park mit bunten Blumen wurde erschaffen, der einem hier einen gewissen Frieden bringt.
Wir schauen alles an, fahren zurück in die Stadt und machen uns zu Fuss auf den Weg, um etwas zu Mittag zu essen.

Leider gibt es hier praktisch nur Fast Food wie Döner, Burger und Pizza, wir aber würden gerne etwas lokales ausprobieren.
Also laufen wir zuerst mal fast eine Stunde im Kreis herum, ehe wir tatsächlich ein Restaurant finden, welches lokale Küche anbietet.
Wir bestellen Ganfan für mich und für Tobi ein Plov, dazu eine Art mongolische Chuschur aber nach kasachischer Art, mit Kräutern versetzt.
Ganfan ist eigentlich einfach Reis mit einer Peperoni Sauce und Rindfleisch und Zwiebeln,
Plov ist ähnlich, einfach dass der Reis gebraten ist, vermischt mit Lammfleisch und Karotten, beides ist sehr gut.

Nach dem Essen schauen wir uns noch ein wenig in den Supermärkten um, damit wir wissen was man hier alles so bekommt, dann kehren wir zum Auto zurück und fahren aus der Stadt raus.
Öskemen ist unser nächstes Ziel, eine Stadt zweihundert Kilometer von uns entfernt.
Die Fahrt dahin führt uns über eine gute Strasse an ödem Grasland vorbei, doch nach etwa der Hälfte der Fahrt verändert sich die Landschaft.
Grosse Felsen ragen aus dem Boden, schroff und kantig mit einem leichten grau.
Sie bilden farblich einen interessanten Kontrast zum hellgrünen Grasland dass sie umgibt.

Die Fahrt dauert etwas an mehr als drei Stunden und in Öskemen angekommen, finden wir einen tollen Schlafplatz direkt an einem Fluss.
Da wir viel zu Mittag gegessen haben, gibt es nur noch einen leichten Salat zum Abendessen.

Danach sitzen wir noch eine Weile draussen und geniessen die abendliche Stille, danach geht’s dann ins Bett.

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