16.07.2019. Wir verlassen die Mongolei und fahren zurück nach Russland

Am nächsten Morgen futtern wir friedlich ein Müsli und beobachten die Leute, die wiederum uns beobachten und die Karre anstarren.
Seelenruhig nippen wir an unserem Kaffee und amüsieren uns dabei bestens, beantworten ein paar Fragen und plaudern mit den einen Russen, die ein wenig Englisch sprechen.

Kurz vor neun Uhr muss Tobi beim Grenzposten unsere Pässe und Fahrzeugdokumente vorweisen, bevor wir in der Warteschlange weiterfahren dürfen.
Horst stand mit seinem Unimog an zweiter Stelle und konnte bereits vorfahren, wir jedoch müssen uns noch ein wenig gedulden.

Endlich können auch wir in den Zoll reinfahren und unser Auto abstellen und da die Mongolen so Freude an unserem Fahrzeug haben, wollen sie es gleich zweimal inspizieren.
Nachdem wir den Ausfuhrzettel abgestempelt haben, müssen wir noch zu Fuss über die Grenze um den Pass auszustempeln.
Dabei reagiert die Dame am Schalter zuerst etwas irritiert und will behaupten, wir hätten unsere Visa überzogen, den Verlängerungsstempel den wir in Ulaanbaatar gemacht haben, will sie zuerst nicht so recht akzeptieren.
Tobi verzieht keine Miene und wartet geduldig, (der Fahrer muss immer zuerst durch den Zoll), bis die Dame schliesslich den Stempel macht.
Bei mir dasselbe Theater doch auch ich stehe nur da und warte geduldig, bis sie ebenfalls den Stempel in den Pass macht und mich verabschiedet.

Wir können unser Auto holen und nach einem letzten Kontrollblick in unsere Pässe, lässt der Beamte die Barriere hochgehen und wir verlassen die Mongolei und lassen dieses wunderbare Land hinter uns.
Wir fahren durch ca. 5 Kilometer Niemandsland und dann erscheint auch schon ein erster russischer Checkpoint, die riesige Flagge weht im Wind.
Der Beamte ist etwa in unserem Alter, empfängt uns mit einem breiten Grinsen und kontrolliert unsere Visa.
Mit einem «Welcome to Russia» und einem sehr netten Lächeln lässt er uns weiterfahren bis zur Grenzkontrolle, die nochmals etwa 15 Km von uns entfernt ist.

Dort angekommen, müssen wir noch einen kurzen Moment warten, dabei werden vorgängig nochmals die Pässe und die Fahrzeugdokumente kontrolliert.
Dann öffnet sich endlich das Tor und wir können reinfahren und die Formalitäten erledigen.
Zuerst werden die Pässe eingestempelt und der Migrationszettel ausgefüllt, danach wird das Auto inspiziert.
Die russischen Zollbeamten nehmen es locker, spielen ein bisschen mit dem Sackmesser und den Magneten herum, schauen ein wenig in unsere Sanibox und gucken durch meinen Feldstecher.
Dass der eine dabei noch das Augenstück rausdrehen muss hat er zwar nicht begriffen und deshalb anfänglich auch nichts gesehen aber nachdem ich ihm nochmals alles eingestellt habe, ist die Begeisterung gross.
Ein weiteres «Welcome to Russia» und wir können weiter zum Customs, wo wir die Fahrzeugformalitäten ausfüllen müssen.

Wir erhalten ein neues TIP (Temporary Import Document) auf Kyrillisch was gut und recht ist, wir können alles abschreiben.
Man muss davon zwei Exemplare ausfüllen und zwar komplett fehlerfrei, sonst kann man nochmals von vorne anfangen, genau so wie der Typ vor uns der schon zum zwanzigsten Mal wieder kommt und es einfach nicht hinkriegt.
Die Mongolen drängen sich ebenfalls noch dazwischen, es herrscht Chaos und irgendwann reicht es mir und ich mache mich auf die Suche nach einem englischsprechenden Beamten.

Nachdem ich den gefunden habe, erkläre ich ihm dass wir kein Bock darauf hätten, eine weitere Stunde da rumzustehen und zu warten und es scheisse finden, dass die nur einen einzigen Beamten auf den Posten gesetzt hätten, wo doch heute so viele Leute hier seien, weil die Grenzen fast fünf Tage geschlossen waren.
Da er absolut meiner Meinung ist, nimmt er uns mit auf sein Büro, erledigt mit uns die Einfuhrpapiere und macht uns die nötigen Stempel drauf, dann entlässt er uns mit einem weiten «Welcome to Russia» und wir können los, während die anderen immer noch in der Warteschlange stehen.

Am letzten Gate werden die Papiere und der Pass zum letzten Mal kontrolliert, das Tor geht auf und wir sind wieder zurück in Russland, Juhuu!

Wir fahren gleich bis zur nächsten Ortschaft durch um unsere russischen Sim Karten aufzuladen und treffen dabei Horst und Helga wieder an, die im Supermarkt nebenan einkaufen.
Wir beschliessen, zu viert in einem Ger Camp zu übernachten dass in der Nähe ist und treffen uns da zu einem späteren Zeitpunkt, weil Tobi und ich noch ein wenig herumlaufen wollen.

Auf einem Markt kaufen wir uns noch Socken aus Yak Wolle, wo es aber auch wunderschöne Kaschmirschals und Handschuhe gibt.
Anschliessend fahren wir ebenfalls zum Ger Camp und nehmen uns da spontan eine Jurte zum Übernachten.

Wir schleppen unser Zeugs runter und richten uns ein, Tobi schlägt kleine Holzschnippsel und ich bereite was zu essen vor.
Mit kindlicher Begeisterung betrachten wir die Rauchsäule die draussen aus dem dünnen Kaminrohr aufsteigt, nachdem wir den Ofen eigeheizt haben, es ist urgemütlich.
Wir zünden eine Kerze an und öffnen eine Flasche Wein, essen Käse und Brot, etc. und warten auf Horst und Helga, die noch im Restaurant gegessen haben.
Zu viert machen wir es uns gemütlich und plaudern bis sich die beiden ins Bett gehen.

Wir legen noch ein bisschen Holz nach und gehen anschliessend ebenfalls ins Bett.

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