01.04.2019. Seit zwei Jahren unterwegs, wir beantworten Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden

Heute schreibe ich ausnahmsweise mal keinen Tagebucheintrag, sondern beantworte die am häufigsten gestellten Fragen.

Wir sind nun seit zwei Jahren unterwegs, haben viel erlebt und gesehen, mit vielen anderen Reisenden sowie Einheimischen gesprochen und immer wieder die gleichen Fragen gestellt bekommen.

Dabei geht es nicht um die oberflächlichen Fragen wie «woher kommt ihr, wieviel hat die Karre gekostet und wo geht ihr hin»?, sondern um Fragen wie:

Warum reisen wir?
Wir reisen weil wir die Welt sehen wollen, weil wir überzeugt sind, dass es noch mehr da draussen gibt als «nur“ arbeiten und Geld verdienen.
Wir wollen Dinge sehen und verstehen, wovon wir zum Teil nur in den Nachrichten darüber gehört, oder in Dokumentarfilmen gesehen haben.
Wir wollen uns mit Themen auseinandersetzen, die uns zwar im Alltag begegnen, jedoch der Ursprung an einem anderen Ort liegt.
Wir wollen aber auch dem Schweizer «Knigge» entfliehen und ausbrechen, uns selbst spüren und rausfinden wer wir sind und was wir wollen.
Aber wir haben auch die Möglichkeit ergriffen weil sie sich ergeben hat, nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch die Tatsache dass wir keine Kinder haben und uns die Zeit genommen haben, eine Entscheidung bezüglich unseres weiteren Lebens zu treffen.

Macht reisen wirklich glücklich?
Was bedeutet Glück?

Glück bedeutet für jeden einzelnen von uns etwas anderes.
Für mich bedeutet Glück, einen wunderbaren Moment zu erleben, den freien Himmel über dem Kopf zu haben, auf einem Felsen zu stehen und die Energie des Meeres zu spüren, im Hier und Jetzt zu leben und das Privileg von Freiheit zu geniessen, Freunde zu treffen und zu wissen, dass man nicht allein ist.

Inwiefern hat uns die Reise bisher verändert?
Diese Frage zu beantworten, fällt mir schwer, da ich mir diesbezüglich nicht sicher bin.

Ich habe gelernt Dinge zu schätzen, die ich vor der Reise für selbstverständlich genommen habe.
Ich habe festgestellt, dass ich mit weit weniger leben kann, als ich ursprünglich gedacht habe, zb. ein 10Kg Rucksack mit meinen Utensilien reichen mir völlig, ohne dass mir wirklich etwas fehlt.
Es hat uns wieder einmal mehr bewusst werden lassen, wie wichtig die Natur und die Umwelt ist und wie wenig der Mensch darauf achtet.
Wir versuchen es besser zu machen, wissen aber nicht ob das Zuhause auch weiterhin so sein wird oder ob wir in alte Muster zurückfallen, ich denke aber nicht.

Was mögen wir mehr, das Backpacken oder die Reise mit dem Auto?
Diese Frage lässt sich für uns einfach beantworten, denn das Backpacken ist überhaupt nicht unser Ding.

Wir mögen die Abhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln nicht, die Warterei bei den Haltestellen und das Übernachten in Hostels, weil da immer ein verdammter Kindergarten herrscht.
Das Schöne jedoch am Backpacken ist, dass man mehr interessante und reiselustige Leute trifft, als wenn man mit dem Auto unterwegs ist, sowie eine Dusche und eine Toilette in der Unterkunft. hat.
Wir bevorzugen das Reisen mit dem Auto, weil wir uns freier und unabhängiger fühlen, selbst entscheiden können wann und wo wir übernachten wollen, nicht auf Unterkünfte und Fortbewegungsmittel angewiesen sind und an abgelegenere Orte hinkommen, wo keine Touristenbusse jemals vorbeifahren würden.

Wie kann man als Paar auf so engem Raum funktionieren und das 24 Stunden am Tag?
Meine Lieblingsfrage, die ich schon so oft gestellt bekommen habe.

Für alle die denken dass wir uns nie streiten, so ist es nicht.
Auch wir kabeln uns ab und zu und dann wird es manchmal schwierig, sich der Situation zu stellen.
Man kann in der Wüste noch so weit vom Partner wegrennen, man kommt freiwillig wieder zurück, denn man kann trotz allem nirgends hingehen.
Keine Freundin mit der man ein Bier trinken gehen kann, keine Schulter bei der man sich ausheulen kann, man hat «nur» den einen Menschen weit und breit, der vielleicht gerade in dem Moment wütend auf einen ist.
Man muss sich zusammenraufen und weitermachen, darüber reden und nach vorne blicken, anders bekommt man die Dinge nicht geregelt.

Ist Reisen dasselbe wie Urlaub machen?
Nein, ist es nicht, auch wenn vielleicht jetzt gerade viele den Kopf schütteln.

Manchmal kann reisen echt mühsam sein, hier ein paar Beispiele.
Mieses Wetter, wenn man keine Toilette hat und nach draussen gehen muss.
Wenn der Wind so stark bläst, dass man draussen nicht kochen kann und die blutrünstigen Moskitos die tausenden von Fliegen vom Tag ablösen, sobald es dunkel wird.
Wenn man krank ist und keinen richtigen Ort zum Ausruhen und erholen hat.
Wenn man in einer fremden Stadt ist und die Leute einen nicht verstehen, du aber ganz dringend etwas kaufen musst.
Wenn man Dinge organisiert und sich nicht auf die Leute der betreffenden Anlaufstelle verlassen kann, weil sie einen entweder nicht verstehen oder schlicht und einfach lieber am Handy hängen wollen.
Wenn man bis spät in die Nacht keinen Schlafplatz findet und dann direkt neben einer Autobahn pennen muss.
Wenn man nachts aufs Klo muss, aber ständig jemand mit einer Taschenlampe unterwegs ist und dich natürlich sogleich mit seinem Lichtkegel anvisiert.
Und das Beste von allem: Man könnte inmitten eines leeren Fussballfeldes parkieren, sei dir gewiss, der nächste der kommt, wird sein Fahrzeug direkt neben deinem abstellen.

Wie machen wir das mit dem Geld?
Eine Frage die uns ebenfalls des Öfteren gestellt wird.
Die Antwort: So günstig wie möglich zu leben.
In den billigsten Unterkünften zu schlafen, sich das Badezimmer mit den anderen zu teilen, im billigsten Laden um die Ecke zu essen, anstatt in ein teures Restaurant zu gehen, wenn möglichst immer im Auto zu schlafen und selbst zu kochen, billigen Wein aus dem Karton zu trinken oder ganz auf Alkohol zu verzichten.
So zu kochen, dass es für den nächsten Tag ebenfalls noch reicht und möglichst Lebensmittel einzukaufen, die lange haltbar sind und man im Notfall benutzen kann.
Ein kleiner Tipp dabei: Wenn man schon so günstig wie möglich essen gehen will, lohnt es sich in teils Ländern eine etwas teurere Unterkunft mit eigenem Badezimmer zu haben, denn es gibt nichts Schlimmeres als wenn man kotzend über einer Kloschüssel hängt und einem dabei auch noch zehn fremde Leute zuhören.

Hiermit haben wir die meistgestellten Fragen beantwortet und Euch hoffentlich einen Einblick geben können.

Falls Ihr noch mehr Fragen habt, Euch noch etwas einfällt oder Ihr einfach etwas dazu sagen möchtet, wir freuen uns über jede Nachricht. 🙂

 

4 Kommentare

  1. Hoi zäme, das habt ihr ganz toll beschrieben! Hoffe, dass eure China-Dokumente bald kommen und weiterhin schöne Reise. Freue mich auf eure Rückkehr an Weihnachten
    Herzlich Papi

    • Liebe Papi
      Herzliche Dank für dini lieb Nachricht, mir händ eus mega gfreut <3
      Mir hoffed dass jetzt alles klappt, doch eusi China Reis müemer leider striiechä dank eme Fähler vo de russische Behörde.

      Mir umarmed Dich fescht und bis bald 🙂

      Ganz herzlichi und liebi Grüess
      Jeannine + Tobias

  2. Liebi Jeanine und Tobi, danke für euren Beitrag. Ich kann viele eurer Probleme sehr gut nachvollziehen 😉. Mit dem Einfachleben bin ich voll einverstanden, auch umweltverträglich, achtsam mit der Umwelt umgehen, aber eben: das Fliegen ist die grosse Frage … und diese Frage stelle ich mir auch persönlich immer wieder.
    Das nächste Racletteessen kommt bestimmt. 😉
    Liebi Grüess, Doris (jetzt neu Rentnerin)

    • Liebe Doris,
      Fliegen Sie weiterhin! Der Staat will/braucht das Bussgeld. Bald wird auch in der CH eine Flugsteuer erhoben werden. Deutschland generiert mit der Flugsteuer jährlich über eine Milliarde Euro. Genauer Verwendungszweck…. …..?

      ein Mit(früh)rentner (seit 5 Jahren unterwegs)
      Stephan

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