23.07.-28.07.2018. Kaputte Batterien, Geburtstag und Minenbesuch

Um Euch nicht mit Details zu langweilen, muss ich diese Woche ein bisschen zusammenfassen.

Am Montagmorgen gleich nach Sonnenaufgang stehen wir auf und räumen alles zusammen, tanken noch kurz bei der Shell auf und fahren dann zum Stadtzentrum, wo wir dringend unsere Vorräte aufstocken müssen.

So machen wir zuerst mal einen Grosseinkauf, der für die ganze Woche reichen muss.

Danach sehen wir uns ein bisschen im Stadtzentrum um, welches nicht wirklich viel zu bieten hat.
Newman ist eine kleine Minenstadt die jedoch eine der grössten Eisenabbauten der Welt hat, doch dazu später mehr.
Was einem hier als erstes auffällt sind all die Minenfahrzeuge die dieses nervige Rückfahrgeräusch machen, so piepst es auch den ganzen Tag immer und überall.

Die meisten Leute tragen leuchtfarbige Arbeitskleider und alle Autos sind mit leuchtgelben Klebern und Nummern versehen, haben eine Sandflagge und sind wirklich absolut unübersehbar.

Wir kehren zu unserem Auto zurück und fahren zum Caravan Park um einzuchecken, ich habe für uns und auch für Helen und Shane gleich eine Buchung veranlasst, damit die beiden auch einen sicheren Platz haben.

Der Camping ist brandneu und hat erst seit ca. 4 Wochen geöffnet, er wird von Minenarbeiter betrieben und auch die haben leuchtfarbiger Kleider, Drehlichter an den kleinsten Golffahrzeugen und einen nervigen Rückfahrtton.
Alles in allem etwas übertrieben, auch die hundert idiotensicheren Schilder und leuchtorangen Fähnchen, Australien, ein Nanny Country wie wir sagen.

Wir richten uns erst mal ein und waschen eine Ladung Kleider, sie starren vor Dreck und Staub.
Anschliessend stellen wir fest dass unsere eine Solarbatterie ziemlich leer scheint und dass etwas ganz und gar nicht stimmt, unsere Tests bestätigen uns dann auch, dass sie vermutlich kaputt ist.
Schöne Scheisse, das wird wieder ein teurer Spass werden.

Nun zuerst aber brauchen wir eine heisse Dusche um uns ebenfalls den ganzen Schmutz abzuwaschen, wir haben zwar auf der Canning auch öfters geduscht, jedoch kommt eine schöne Ladung roter Schaum runter als ich mir die Haar abspüle.

Heute können wir wegen der Batterie jedoch nicht mehr viel ausrichten, deshalb koche ich später einfach zu Abend und wir gehen früh ins Bett.

Am Dienstag bekomme ich eine Nachricht von Helen, dass sie heute in Newman eintreffen, wir freuen uns auf die beiden.
Trotzdem fahren wir nach dem Frühstück schon früh los, denn wir müssen uns eine neue Batterie besorgen.

In dieser abgelegene Gegend ist dass eine ziemliche Challenge und wir müssen mehrmals herumfragen, bis wir einen laden finden der Batterien verkauft.
Um auf Nummer sicher zu gehen lassen wir die Solarbatterie nochmals von einer Fachperson testen, der uns den Verdacht sogleich bestätigt.
leider aber hat er genau diese Batterie nicht mehr, deshalb müssen wir einen anderen Laden finden.

Dank dem miesesten Wegbeschreib aller Zeiten fahren wir dann auch eine halbe Stunde im Kreis herum, bis wir das Geschäft gefunden haben.
Auf dem Weg dahin entschliessen wir uns, gleich zwei Batterien zu kaufen und eine in der Box hinter dem Fahrersitz einzubauen, damit wir mehr und länger Strom haben.

Zum Glück kriegen wir genau diese Batterien für unsere Karre ab, Kostenpunkt: 640AUD, hoffentlich die richtige Entscheidung.
Die zweite Batterie soll uns die Sicherheit geben dass wir auch bei Wolken oder wenn wir mal für ein paar Tage stehen, immer noch ausreichend Strom haben, damit der Kühlschrank läuft und wir trotzdem noch ein Handy oder den Laptop aufladen können.

Nun brauchen wir aber auch Kabel, Kabelschutzschläuche, Stromschuhe und anderes Material, damit wir die Batterie einbauen können.
Da die neue Batterie auch etwas höher ist als die alte, müssen wir zudem für die Halterung eine Verlängerung anbringen, sonst können wir sie nicht im Motor befestigen.

Auch für die Batterie in der Box müssen wir uns etwas ausdenken um sie so fixieren zu können, dass sie nicht überhitzen oder herumrutschen kann.
So haben wir wieder ein riesen Projekt vor uns und das Material zusammenzutragen, ist eine Herausforderung für sich.
Wir kehren am Nachmittag auf den Camping zurück um kurz etwas zu essen, begrüssen Helen und Shane und machen uns aber nach dem Essen gleich wieder auf den Weg.

So vergeht der Tag wie nichts und wir haben immer noch nicht alles gefunden, was wir für den Umbau brauchen.
Immerhin können wir uns am Abend mit Helen und Shane im gemütlichen Kreise unterhalten und plaudern, bevor wir erledigt ins Bett gehen.

Am Mittwochmorgen werde ich mit einem lauten Happy Birthday von Helen und Shane begrüsst, die mir ein Couvert überreichen, welches mit LED-Herzchen verziert ist und eine liebevolle Grusskarte enthält, es ist so lieb von den beiden und ich freue mich total.

Die LED-Kette hänge ich über dem Bett auf, auch die ist einfach cool!
Danach gehe ich zum Frisör um mir die Haar eine Stück zu kürzen und die ausgetrockneten Spitzen abzuschneiden, sie haben es bitter nötig und die junge Dame die meine Haare schneidet, schimpft ein bisschen mit mir.

Anschliessend machen wir uns wieder auf den Weg um unser Zeug zusammen zutragen und jemanden zu finden, der uns die Halterung für die Batterie im Motor schweisst.
Natürlich will es wieder keiner machen, es wäre ja zu schön gewesen um wahr zu sein!

Nach einer weiteren Stunde herumfragen finden wir endlich eine Bude, die uns die Halterung verlängert und schweisst, zahlen müssen wir dafür aber nichts.
Froh diesen Posten abhaken zu können, fahren wir zum Hardware Shop um dort noch ein paar Sachen zu holen, sowie zwei anderen Läden, um extra starke Stromkabel und die passenden Schuhe dafür zu bekommen.

Am Nachmittag können wir uns endlich an die Arbeit machen doch zuerst muss ein Plan her, damit das Ganze auch richtig verkabelt ist.

Manch ein Elektriker würde es vielleicht anders machen oder weniger Kabel einziehen, doch mit Shane’s Hilfe finden auch wir eine Lösung. (siehe Zeichnung).
Am Abend dann nach einer herrlichen Dusche und ein bisschen Schminke im Gesicht, drückt mir Helen einen Vodka Lemon Soda in die Hand und wir stossen auf meinen 31. Geburtstag an.

Danach gehen wir in der Red Sands Taverne zusammen Essen und lassen es uns mit viel Wein und Bier gut gehen, es ist ein wunderschöner und witziger Abend und er wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Wir challengen uns bei Ping Pong wo wir nach dem vielen Wein nicht mehr ganz so treffsicher sind und Shane landet mit seinem Hintern in einem Blumentopf, als er den Ball auflesen will und dabei sein Gleichgewicht verliert.
Da die Leute aber in Australien sehr gerne mal einen über den Durst trinken, interessiert das auch hier niemand, nur wir lachen uns fast kaputt.

Um kurz nach elf Uhr abends schmeissen sie uns jedoch aus der Taverne raus und wir machen uns zu Fuss auf den Rückweg zum Camping, wo kaum dass wir angekommen sind unsere Nachbarin auftaucht und sich über den Lärm beschwert.
Während Helen sich überschwänglich und sehr sarkastisch bei ihr entschuldigt, nutzen wir den Moment um die Standheizung aufzudrehen.

Helen hat unser Fahrzeug inzwischen in Apollo 12 umgetauft weil die Standheizung immer so klingt, als würde eine verdammte Rakete starten, was dem Staub und dem Dreck zu verdanken ist.
Auch heute Abend lachen wir uns wieder darüber kaputt, doch die Kälte lässt uns bald in die warmen Betten flüchten.

Der Donnerstagmorgen beginnt ziemlich verkatert, wir schaffen es vor zehn Uhr nicht aus dem Bett.
Doch irgendwann wird es im Klappdach so heiss dass wir aufgeben und ich mich zuerst einmal unter die Dusche stelle.

Danach fühle ich mich um einiges besser und wir machen uns wieder auf den Weg um noch ein paar kleinere Teile zu besorgen und mehr Kabel, wir haben zu wenig.
Anschliessend machen wir uns wieder an die Arbeit und es kostet uns ganz schön viel Kraft und Geduld, die Kabel vom Motor ins Wageninnere zu ziehen und überall so zu vernetzen, dass sie uns nicht im Weg sind.

Dazu müssen wir die Bodenmatte lösen und alles unten durch ziehen, doch vorher muss alles noch mit dem Kabelschutz eingepackt werden damit sie nicht kaputt gehen.
So vergeht auch dieser Tag im Eiltempo und hat einfach zu wenig Stunden!
Wir sind alle noch etwas erledigt vom Absturz vom Vorabend und gehen deshalb früh zu Bett.

Am Freitagmorgen machen Tobi und ich uns sogleich auf den Weg um nochmals Kabel zu organisieren, anschliessend treffen wir uns um neune mit Helen und Shane beim Visitor Center, wir machen zusammen eine Minentour.

Die beiden haben uns schon am Vortag eingetragen, worüber wir sehr dankbar sind und so stehen wir pünktlich mit Leuchtweste und Schutzbrille vor dem Gebäude und warten darauf, in den Bus einzusteigen.
Endlich sind alle bereit und wir können einsteigen und losfahren, wir fahren auf einen riesigen Berg, den Mount Whaleback der den Namen seiner Form eines Walrückens zu verdanken hat.

Dort angekommen steigen wir aus und erhalten eine sehr eindrucksvolle Aussicht über die riesige Eisenerzmine von BHP Billiton, eine der grössten Erzminen der Welt mit einer Länge von 5Km und einer Breite von 2Km.

Der Zug der das Eisenerz zum Hafen Port Hedland transportiert welches von dort aus nach Japan, China, Taiwan verschifft wird, ist insgesamt 2.9Km lang und ist einst als längster Güterzug im Guiness Buch der Rekorde 2001 aufgelistet worden.
Er besteht aus 4 Lokomotiven und 268 Waggons sowie 1 Chauffeur und fährt doch noch 65km/ Stunde, mit einem Bremsweg von ganzen 3Km. Distanz nach Port Hedland: 462Km. Alleine das Laden dauert nur 2 ½ Stunden, dabei fährt der Zug sehr langsam durch den Minentunnel, ein Waggon wiegt dabei wenn er geladen ist, stolze 135 Tonnen.

Der gesamte Zug wiegt vollgeladen an die 33’000 Tonnen, es ist Wahnsinn!
Bei den riesigen Minentrucks die das Erz transportieren kosten alleine die Pneus pro Stück schon 40’000 AUD, sie halten nur 9-12 Monate, ehe man sie ersetzen muss.
Der Abbau des Eisenerzes ist einer der hochgradugsten überhaupt, noch nie wurde weltweit so reines Material gefunden wie hier.
So erhalten wir einen Gesamtüberblick über Zahlen und Mengen von der Erzmine und sind mehr als nur beeindruckt.

Auf den Rückweg erhalten wir noch einen raschen Blick auf das riesige Schaufelrad und ein paar der riesigen Trucks, mit denen wäre auch ich mal gerne gefahren!
Zurück beim Visitor Center fahren wir kurz zu Woolworths und zum Chinesen und kehren dann auf den Camping zurück, um dort weiterzubasteln.
Wir kommen wieder ein gutes Stück voran, werden aber nicht mit allem fertig und es wird wieder viel zu schnell Abend.

Helen har sich ein witziges Stofftier, eine australische Kragenechse gekauft und wir taufen ihn auf den Namen Frank.
Das Viech sieht wirklich zum Schiessen aus und wir lachen uns fast kaputt über Frank.

Ich koche für uns alle zu Abend und Helen bringt einen wunderbaren Salat mit, sowie einen Schokopudding und so verbringen wir einen weiteren schönen Abend zusammen.

Der Samstagmorgen bricht an und das bedeutet Waschtag im wahrsten Sinne des Wortes.
Schlafsäcke, Kleider Tücher und alles muss gewaschen werden und sogar unser Maskottchen unsere Stoffeule muss herhalten.

Ich stopfe sie in einen Waschsack und dann geht’s ab in die Waschmaschine, wir nennen es Üülis (Ulysee) grossen Tag!

Auch Shane hat heute übrigens die Kleider von ihm und Helen gewaschen, was weiss gewesen ist, ist jedoch nun in einem herrlichen Pink gefärbt, worüber wir uns den halben Tag lustig machen.
Ich brauche den ganzen Vormittag um zu waschen während Tobi noch die letzten Arbeiten auf sich nimmt, danach putze ich die Karre raus.
Der rote Staub hat sich hartnäckig in allen Ecken und Rillen festgesetzt und es braucht Stunden um alles wieder sauber zu kriegen.

Auch die Wasserkanister und alles andere müssen gewaschen und geputzt werden, sowie unser gesamtes Material.
Wieder sind wir den ganzen Tag beschäftigt doch am Abend die gute Nachricht: Unser Batteriesystem funktioniert und zwar grossartig!

Wir sind froh und erleichtert, hoffentlich hält es auch eine Weile, denn wir haben beide kein Bock darauf, wieder etwas Neues machen zu müssen.
Nun müssen wir einfach noch das Dual Batterie System neu bestellen und bei Ankunft einbauen lassen, unser altes hat voll und ganz abgekackt.

Den Abend verbringen wir dann wieder zu viert, es ist unser letzter Abend mit Helen und Shane, ab Morgen werden wir dann wieder alleine weiterreisen.

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