11.-16.04.2018. Fahren, putzen, essen und schlafen

Meine lieben Leser und Leserinnen­čśŐ
Um Euch nicht mit irgendwelchen unwichtigen Details zu langweilen, werde ich bis Ende Monat die Beitr├Ąge jeweils zusammenfassen, weil unser Alltag zurzeit ziemlich eint├Ânig aussieht.

Grunds├Ątzlich sind wir immer noch mit der ganzen Putzerei unseres Materials besch├Ąftigt und staunen, wie trotz guter Pflege alles unglaublich dreckig und staubig ist.
Am meisten frustrierend ist wohl, dass vor allem das Material welches am n├Ąchsten an den Aluminiumw├Ąnden gewesen ist, schwarze und silbrige Streifen aufweist, die sich auch mit den st├Ąrksten Putzmitteln nicht beseitigen lassen.

Dazu kommt der st├Ąndige Staub im Zimmer, der trotz t├Ąglichem Staubsaugen und Boden putzen, trotzdem immer am sauberen Material haftet.
Nachdem wir den gr├Âssten teil des Materials immerhin so geschafft haben dass wir zufrieden sind, fangen wir an, unsere Holzboxen rauszuschrauben und zu reinigen, was sich als kleine Challenge erweist, da sie nicht komplett in unser Badezimmer passen.
Doch mit der Brause reichts dann doch irgendwie und nachdem alles fett mit Reinigungsmittel eingesch├Ąumt ist, sehen sie nach dem Abwaschen schon wieder fast wie neu aus.

Am Samstagabend dann, sind wir mit dem schlimmsten Teil durch und ich koche uns zur Feier des Tages eine Ladung Spaghetti Bolognese, zwar nicht mit Hackfleisch, daf├╝r mit kleingehackten W├╝rstchen, welche auch nicht schlecht sind.
Wir setzen uns an den Tisch, h├Âren Musik, essen unsere Pasta und trinken ein Glas Wein und obwohl es sich in dem vollgestopften Zimmer nicht so gut entspannen l├Ąsst wie irgendwo am Meer, sind wir trotzdem zufrieden.

Am n├Ąchsten Morgen entscheiden wir spontan, das Putzen f├╝r heute mal sein zu lassen und an unseren Strand des Vertrauens zu fahren, um schnorcheln zu gehen und mal aus den vier W├Ąnden rauszukommen.

W├Ąhrend der Fahrt am Meer entlang sehen wir aber, dass es ziemlich viele Wellen hat und ein z├╝giger Wind geht, trotzdem lassen wir uns die Laune nicht verderben.
Wir fahren auf der Schotterpiste direkt am Wasser nach und ich staune wieder aufs Neue, wie atemberaubend die K├╝ste hier aussieht und wie klar das Wasser ist.
Der r├Âtliche Stein der Berge, die Eukalyptusb├Ąume und die vielen Korallenriffe lassen erraten, das Australien nicht mehr weit entfernt ist.

Am Strand angekommen, hat es zwar ein paar Leute doch das st├Ârt uns nicht im Geringsten.
P├╝nktlich zum h├Âchsten Stand der Flut, die jeweils so mittags um zw├Âlf ist, ziehen wir unsere Ausr├╝stung an, st├╝rzen wir uns in die Wellen und paddeln gem├╝tlich hinaus zu den Riffs.

Die Wellen haben es in sich und wir werden ein paarmal durchs Wasser gewirbelt, aber auch M├╝ll wurde durch die Str├Âmung in die Bucht getrieben.
Mit der Unterwasserkamera bewaffnet, paddeln wir friedlich zwischen den Riffen herum doch die Fische haben kein Bock auf Wellen, Str├Âmung und Touristen.
Sie geben sich kamerascheu und ziehen es vor, sich irgendwo unter den Korallen zu verstecken.
Verst├Ąndlich, denn die Sicht wird immer schlechter und das Meer immer unruhiger so dass auch wir nach einer Stunde an den Strand zur├╝ckkehren und aus unseren Sachen schl├╝pfen.
Leider habe ich meine H├╝lle f├╝r die Kamera unter Wasser verloren, sie ist trotz Klettverschluss meiner Bordshorts, irgendwie rausgefallen.

Zur├╝ck beim Auto trocknen wir uns ab und fahren zur├╝ck nach Dili, wo wir im Supermarkt des Vertrauens noch kurz was einkaufen und uns dann auf den Weg zum Hotelzimmer machen.
Nach einer erfrischenden Dusche, (schliesslich ist es in Dili t├Ąglich ├╝ber dreissig Grad), geniessen wir die angenehm k├╝hle A/C, die wir auf vierundzwanzig Grad eingestellt haben.

Wir verbringen den Rest des Tages gem├╝tlich mit Lesen und chillen, bis wir draussen pl├Âtzlich HeinzeÔÇÖs und EdiÔÇÖs Stimme h├Âren, die so wie es aussieht, zwei Tage fr├╝her von ihrem Ausflug zur├╝ckgekehrt sind.
Nach kurzem Geplauder gehen die beiden ebenfalls zuerst mal duschen und ruhen sich dann aus, wir hingegen machen uns f├╝r den Abend fertig, denn wir wollen Pizza essen gehen.

Die Osteria dÔÇÖItaliana (unser Restaurant des Vertrauens), hat jeden Sonntagabend eine Pizza-Aktion, wo sie anstatt 15USD nur noch 10USD kostet, was wir zu unserer Dili-Tradition gemacht haben.
Nach st├Ąndigem Dreck, nassen Kleidern, Staub und Schweiss, freue ich mich, wieder einmal ein Kleid und hohe Schuhe anziehen zu k├Ânnen und auch ein bisschen Schminke aufzutragen.

Gestylt machen wir uns also auf den Weg zur Pizzeria und essen wunderbar zu Abend.
Auf dem R├╝ckweg hat die Luft dank des starken Regens ein wenig abgek├╝hlt und eine herrliche Brise begleitet uns zur├╝ck zum Hotel, wo wir noch eine Weile beim Auto stehen bleiben und ein paar Sachen besprechen, die wir vielleicht noch ├Ąndern k├Ânnen.

Die eine Sache die wir definitiv ├Ąndern wollen ist die, dass wir die Aluminiumw├Ąnde mit Stoff ausstatten lassen wollen und so machen wir uns am Montagmorgen dementsprechend fr├╝hzeitig auf den Weg.
Zuerst aber geben wir alle unsere kaputten Kleider bei einer N├Ąherei ab um sie flicken zu lassen, fahren zu einer Garage um dort um eine Nietzange und Chromstahlnieten zu bitten, doch der Chinese bevorzugt es, vor uns auf den Boden zu spucken und sich vor den jungen Leuten seines Personals, mit seiner Coolness zu r├╝hmen, also gehen wir wieder.

Gl├╝cklicherweise aber stellt sich heraus dass sein Nachbar um einiges freundlicher wirkt und obwohl die beiden Herren kein einziges Wort Englisch sprechen, verstehen sie sofort, was wir wollen.
Mit einer Nietmaschine und Nieten, sowie einer Bohrmaschine macht sich der junge Mann sogleich an die Arbeit und nach nicht mal f├╝nf Minuten sind wir schon fertig,.
Er verlangt 5USD, geht zum Laden gegen├╝ber und bringt uns beiden eine Flasche kaltes Wasser, welches er uns mit einem Grinsen in die Hand dr├╝ckt.

So k├Ânnen wir diese kleine Garage mit bestem Gewissen weiterempfehlen, die beiden sind einfach total liebensw├╝rdig und freundlich.
Wir bedanken uns auf Chinesisch (xi├ę xie) und fahren zu einem anderen Chinesen, mit dem wir einen Termin vereinbart hatten, um unsere Aluw├Ąnde beziehen zu lassen.

Wir kommen zeitig bei ihm an und die Jungs machen sich sogleich an die Arbeit, wir hingegen unterhalten uns noch kurz mit dem Chef, der sich pers├Ânlich um unsere Sachen k├╝mmert und gehen anschliessend in unser Warung des Vertrauens, welches gleich gegen├╝ber auf der anderen Strassenseite liegt.

W├Ąhrend wir am Tisch sitzen und unseren reis mit H├╝hnchen, Tempe und Gem├╝se essen, zieht ein jaulen und w├╝tendes kl├Ąffen, meine Aufmerksamkeit auf sich.
Tobi und ich brauchen beide eine Weile bis uns klar wird, dass in einem Sack der an einem Motorrad h├Ąngt, ein Hund drin ist.
Sein Schwanz h├Ąngt heraus und er zappelt wie verr├╝ckt, um aus der heissen Sonne zu kommen.

Wir sind beide entsetzt und als sogar die Besitzerin des Warungs den Mann darum bittet, er m├Âge doch den Sack runternehmen, steht der Typ auf und der Hund verschwindet aus unserem Blickfeld.
Ich bin stinkw├╝tend und als sich der Kerl noch zu uns an den Tisch setzt, starre ich ihn b├Âse an und dass so lange bis er anf├Ąngt, unruhig auf seinem Stuhl hin und her zu rutschen.
F├╝r ihn scheinbar unverst├Ąndlich dass eine Touristin ihn deswegen sauer anstarrt, richtet er den Blick schlussendlich auf seinen kleinen Sohn, der hungrig sein Mittagessen verschlingt.

Mir ist der Appetit vergangen und ich bitte Tobi darum, den Laden zu verlassen.
Draussen sehe ich den Hund der jetzt wenigstens den Kopf rausstrecken kann, aber immer noch in diesem beschissenen Sack gefangen ist, mitten in der br├╝hend heissen Mittagssonne, ohne Wasser und ohne Schatten.
Tobi geht r├╝ber auf die andere Strassenseite und ich folge ihm, lasse den Kerl und seinen Sohn aber nicht aus den Augen.

Als die beiden Warung verlassen, holt der Vater ein St├╝ck Schnur, welches er dem Hund eng um die Schnauze bindet, damit er nicht mehr bellen kann und somit verweigert er ihm auch das Schwitzen, weil er nicht mehr hecheln kann.
Dann packt er den Hund und h├Ąngt ihn mitsamt Sack halb kopf├╝ber ans Motorrad, packt den kleinen Jungen vorne drauf und f├Ąhrt davon.

Einzugreifen h├Ątte allerding nichts gebracht, daf├╝r fehlt den Menschen hier der n├Âtige Bezug zum Tier.

Wir fahren zur├╝ck zum Hotel, stellen unser Fahrzeug in den Schatten und fangen an, die Sitze rauszuschrauben und auszubauen, um den grauen Plastikteppich darunter rauszunehmen.

Da der im Fussraum ein paar Risse hat, ist dort Wasser hinuntergelaufen, so dass der Unterboden angefangen hat zu rosten.
Wir beschauen uns den schaden und beschliessen, raus zur Toyota Garage zu fahren und Bruce zu fragen, ob man da was machen kann.
Wir bauen also die Sitze wieder ein, blasen mit dem Kompressor-Schlauch den Staub raus und k├Ąrchern den Plastikteppich ab, den wir anschliessend zum Trocknen aufh├Ąngen.

Inzwischen haben sich die Wolken verdichtet und ein paar Tropfen fallen vom Himmel, wir m├╝ssen uns also beeilen.
Dreckig und durchgeschwitzt fahren wir zur Garage hinaus und machen mit Bruce einen Termin aus, um die Sch├Ąden zu beheben.

Anschliessend kehren wir ins Hotel zur├╝ck und werden von Mr. LiuÔÇÖs Frau ├╝berrascht, die f├╝r uns alle eine Portion Teigtaschen zubereitet hat, sie sind ├Ąhnlich wie MomoÔÇÖs.
Heinze, Tobin und ich teilen uns den Teller, Edi der Vegetarier ist, verzichtet.
Die MomoÔÇÖs sind ausgezeichnet und wir freuen uns total, wieder einmal so etwas essen zu k├Ânnen.
Allgemein sind die Leute hier sehr freundlich und obwohl die Gebr├╝der Liu nur Chinesisch sprechen, sind sie total hilfsbereit und lieb.

Wir f├╝hlen uns wohl hier und obwohl der Gedanke an ein zurzeit leeres Auto ein komisches Gef├╝hl ausl├Âst, (schliesslich ist es unser Zuhause), haben wir uns hier gut eingelebt.
Allgemein f├╝hlen wir uns in Dili sehr wohl, haben in k├╝rzester Zeit unsere Stammecken entdeckt und wissen, wo wir durchfahren m├╝ssen und wo wir was finden.
Die Energie in der Stadt ist total gut und die Leute sind lebensfreudig und offen, aber nicht aufdringlich.

Nachdem ich uns die Resten vom Samstag aufgew├Ąrmt und dazu noch einen Salat gemacht habe, setze ich mich nach dem Essen an den Beitrag und die Fotos.

Der Gedanke an den Hund verfolgt mich und ich hoffe, nein ich w├╝nsche ihm, dass er ein Happy End findet, auch wenn die Chance noch so klein ist.
Wieder wird mir klar in was f├╝r einer Welt wir leben, wo Respekt gegen├╝ber Tieren so kleingeschrieben wird, dass sich nur wenige darum k├╝mmern.
Viele haben weder Bezug noch Liebe f├╝r die Wesen ├╝brig, die sich nicht wehren k├Ânnen, denen man keine Stimme gibt und die die ganze Scheisse anschliessend ausbaden m├╝ssen.

Gerne verdr├Ąngen wir die Gedanken, ignorieren den Anblick von H├╝hnern in kleinen K├Ąfigen und anderen schrecklichen Bildern, schauen weg und versuchen zu vergessen.
Manchmal ist es einfach, auch wir haben dass oft gemacht und die Tatsachen verdr├Ąngt und versucht zu ignorieren, doch heute ist es mir nicht gelungen.

Habt ein Herz f├╝r Tiere, gebt ihnen eine Stimme!

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