16.10.2017. Bootsfahrt auf dem Ganges und die Leichenverbrennungszeremonie

Wir wachen nach einer erholsamen Nacht um halb acht auf und treffen uns mit Bennet zum Frühstück. Danach besprechen wir den Plan für den heutigen Tag. Bennet will noch etwas an seinem Auto reparieren, Tobi und ich die Verbrennungen der Toten neben dem Ganges anschauen. Also verabschieden wir uns von Bennet und brechen gegen den Mittag auf.

Wir organisieren uns ein Boot und fahren damit den Ganges hinunter, geniessen die Ruhe auf dem Wasser und den Blick auf die vielen Tempel. Auf dem Rückweg zum Gath, steigen wir aus und gehen zu Fuss den Fluss entlang zu den Leichenverbrennungen.

Dort werden wir von einem Mann namens Babu empfangen, der uns alles über die Hintergründe der Verbrennungen erklärt und uns alles zeigt.

Pro Tag werden hier bis zu zweihundert Menschen verbrannt, eine Verbrennung dauert bis zu drei Stunden. Die Verbrennung der Leichen hier in Varanasi, hat einen besonderen Grund: Da der Ganges ein heiliger Fluss ist, wollen die Menschen hier verbrannt werden, damit sie aus dem Kreis der Wiedergeburt ausscheiden können.
Doch nur wenn das Feuer mit dem heiligen Feuer der Shiva entzündet und die Asche in den Ganges gelangt, ist das möglich und es ist nur Menschen bestimmt, die eines natürlichen Todes sterben. Frauen die schwanger sind, Kinder unter zehn Jahren, Menschen die an Lepra oder einem Schlangenbiss der Kobraschlange sterben und auch Kühe, dürfen nicht verbrannt werden. Die Kuh wird mit Steinen im Ganges versenkt, die Leichen der betroffenen Menschen werden ebenfalls ohne Verbrennung dem Ganges übergeben.
Wir stehen lange da und beobachten, wie die in bunte Stoffe eingehüllten Körper zuerst mit Reis beworfen werden, im Ganges gewaschen werden und ohne die bunten Stoffe, sondern nur in ein Tuch gewickelt, auf das Feuer gelegt werden. Die Männer werden in ein weisses Tuch gewickelt, die Frauen in ein rotes Tuch. Damit die Verbrennungen nicht allzu stark riechen, werden die Körper mit einer Mischung aus Gewürzen und Sandelholz bestreut, die den Geruch nach verbranntem Horn überdecken.

Die Verbrennungen sind für alle Kasten möglich. Das Fotografieren ist strengstens untersagt, aber ehrlich gesagt hätte ich das auch total daneben gefunden. Nur vom Fluss aus haben wir von Weitem, ein Foto für das Gesamtbild gemacht. Da die Familien bis zu fünfundsiebzig Kilogramm Holz kaufen müssen, welches sie bis über hundert Dollar kostet, spenden wir noch ein bisschen Geld für die Familien.

Nach der Besichtigung der Zeremonien, gelangen wir in eine der engen Gassen und geniessen das indische Treiben zwischen den Verkaufsständen, wo jeder dasselbe wie sein Nachbar verkauft. Ein kleines Mädchen kommt zu uns um zu betteln, anstatt Geld kaufen wir ihr einen Mango Saft im Tetra Pack, den sie freudestrahlend entgegennimmt. Wir bummeln noch eine Weile herum und machen uns dann auf den Rückweg zu unserem Hostel.

Dort angekommen, treffen wir uns mit Bennet zum Abendessen, der viel geschlafen hat, weil er immer noch nicht fit ist.

Im Restaurant des Hostels treffen wir noch auf zwei ältere Schweizerinnen und es ist schön und auch mittlerweilen etwas ungewohnt, mit anderen Leuten Schweizerdeutsch zu sprechen. Gegen den späteren Abend verabschieden sich die beiden dann und auch wir wollen bald ins Bett.

Leider ist die Rezeption unseres Hostels unbesetzt und ich rufe an, weil wir die Rechnung noch zahlen wollen. Es heisst, jemand komme in ungefähr dreissig Minuten, doch auch nach zwei Stunden erscheint niemand. Mir reicht es und ich rufe nochmals an, sage dem Kerl am Telefon, dass ich die Rechnung nicht bezahlen werde, wenn in den nächsten fünf Minuten niemand auftaucht.
Drei Minuten später steht einer da und wir können bezahlen.

Keine Ahnung warum solche Sachen immer bei uns sind und ich sie ausbügeln muss, aber wenigstens hat meine Drohung seine Wirkung nicht verfehlt.

Nach diesem unnötigen Theater gehen wir zurück in unser Zimmer und ich hole die Blogbeiträge der letzten beiden Tage nach, während Tobi die Route der nächsten Tage plant.
Bald darauf hauen wir uns aufs Ohr.

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