10.10.2017. Die Wanderung zur Friendship Bridge

Die Nacht ist überraschend kühl und Tobi und ich frieren schon fast ein bisschen. Auch am Morgen als wir aufstehen, müssen wir uns einen Pullover überziehen. Ich mache mich sogleich an die Arbeit um Tee und Kaffee zu kochen, während Tobi im Auto herumräumt und Bennet Bananen und Äpfel schnippelt. Danach koche ich Porridge für uns und wir setzen uns an den Tisch und beobachten während dem Essen, wie die Sonne hinter den Bergen hervorkommt. Nachdem wir alles zusammengeräumt und noch ein paar Fotos gemacht haben, fahren wir wieder hoch zum Militärposten, wo wir schon freundlich begrüsst werden, in unsere Wanderschuhe schlüpfen und uns dick mit Sonnencrème einschmieren, ehe wir loslaufen. Da die Brücke wie bereits erwähnt zusammengestürzt ist, müssen wir auf der einen Seite des Flusses hinuntergehen und dort über eine behelfsmässige, verrostete Brücke laufen um auf die andere Seite zu gelangen. Die Sonne brennt heiss vom Himmel, jedoch geht ein leichter Wind, worüber wir mehr als nur dankbar sind. Wir laufen vorbei an kleinen Dörfchen wo zum Teil die Häuser komplett zerstört sind oder tiefe Risse aufweisen, die Menschen aber so warmherzig und freundlich sind, dass einem das Herz aufgeht.

Wir treffen auf kleinere Ziegenherden, Hühner, Büffel und Kühe, Kinder und Erwachsene. Sogar eine kleine Gruppe von Mönchen kommt uns entgegen, die uns freundlich mit «Tashi delek» begrüssen. Wir grüssen zurück und gehen weiter. Der Weg wird immer schlechter, wir müssen zum Teil über Stellen gehen, wo ein Erdrutsch ins Tal hinuntergegangen ist. Ganze Häuser wurden damals abgeschwemmt oder sind mit dem Erdrutsch mitgegangen.

Ein Bulldozer ist dran, die Strasse wieder neu zu machen, dass viele Wasser hat die Strasse abgeschwemmt. Der Boden ist tief und morastig, zum Teil stark unterspült. Weiter oben kommen wir an einem Militärposten an, ein junger Soldat versperrt uns den Weg. Wir versuchen ihm zu erklären, dass wir nicht über die chinesische Grenze wollen, sondern nur die Friendship Brücke anschauen möchten, jedoch verneint er und sagt, hier sei fertig.

Während Tobi sich in den Schatten setzt, fangen Bennet und ich an, zu diskutieren. Nach längerer Zeit haben wir ihn schon fast soweit und ich verlange, mit seinem Chef zu sprechen. Darauf verlangen sie unsere Pässe, die wir extra mitgenommen haben, falls es Probleme gibt und schrieben unsere Personalien auf. Der Chef erscheint und wir erhalten ausnahmsweise die Erlaubnis, zusammen mit zwei nepalesischen Guides, bis zur Friendship Brücke hochzulaufen. Anfangs haben wir es für absolut nicht notwendig gehalten, zwei Guides zu brauchen um da hochzulaufen doch als wir weiter oben sind, verstehen wir warum.

Uns bietet sich ein Bild kompletter Zerstörung. Das Erdbeben aus dem Jahr 2015 hatte hier eines seiner Epizentren, weshalb hier ein gigantischer Erdrutsch heruntergekommen ist und den grössten Teil des Dorfes unter sich begraben hat. Die Häuser sind die noch stehen, weisen tiefe Risse aus, sind zum Teil eingebrochen oder die Hälfte der Gebäude hängen nur noch mit den Armierungseisen zusammen. Die Strasse ist total kaputt und wir müssen uns ganz links halten, um sicher gehen zu können. Über 200 Menschen sind hier ums Leben gekommen, Familien mit Kindern, usw. Was einem nicht bewusst ist, wenn man nicht direkt damit konfrontiert wird, wird einem spätestens hier klar. Ich bin traurig und bedauere die liebenswürdigen Menschen, die hier ihr Leben verloren haben.

Die Friendship Bridge dürfen wir zwar nicht betreten, weil sie schon zum chinesischen Territorium gehört, jedoch können wir sie sehen und: Wir haben es hoch bis zur chinesischen Grenze geschafft!
Wir bleiben noch eine Weile da und betrachten das Ausmass der Zerstörung, fragen unsere Jungs wie das damals gewesen ist und ob ihr Haus noch steht, versuchen zu verstehen wie es damals gewesen ist und stellen fest, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis dort ein weiterer Teil des Berges herunterkommen wird, weil die Überhänge sehr stark von Wasserfällen unterspült werden. Wir klettern über die grossen Steine des Erdrutsches zurück zum unteren Teil des Dorfes, wo wir in einem Laden noch ein paar Sachen einkaufen.

Mit vollgepacktem Rucksack machen wir uns auf den Rückweg, zurück zu unseren Fahrzeugen. Wir brauchen nicht länger als eineinhalb Stunden da mehr oder weniger alles bergab geht, leider fängt es aber an zu regnen.

Bei den Autos angekommen wechseln wir schnell von den schweren Wanderschuhen in unsere bequemen Sneakers und fahren dann los, talabwärts.
Unterwegs machen wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz und werden weiter unten fündig. Während die Jungs duschen, mache ich mich ans Kochen. Es gibt Bratkartoffeln und gehackte Tomaten mit Zwiebeln und Knoblauch. Nicht gerade viel, jedoch sehr fein und wir haben genug gegessen. Da es draussen zu regnen und gewittern angefangen hat, machen wir es uns in Bennets VW Bus gemütlich und die beiden spielen Karten, während ich Blog schreibe.

Als der Regen dann endlich vorbei ist, geht Bennet schlafen und auch Tobi und ich putzen uns die Zähne und hauen uns aufs Ohr.

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