17.08.2017. Das Geschäft mit dem Buddhismus

Als ich am frühen Morgen mein Handy einschalte, habe ich eine Nachricht von Astrid darauf. Sie ist am Morgen um kurz nach zwei aufgestanden und hat sich auf den Weg zum Bahnhof gemacht, um dort ihr Ticket zu kaufen und den Zug zum Viadukt zu nehmen.

Leider hat man sich dort geweigert, ihr ein Ticket zu verkaufen, den genauen Grund dafür, werden wir wohl niemals erfahren. Also ist sie zurück zum Hotel gefahren und hat sich wieder aufs Ohr gelegt.

Wir treffen uns zum Frühstück und plaudern ein bisschen, ehe Tobi und ich uns auf unsere Citysightseeing Tour, begeben. Das Wetter sieht etwas unsicher aus, doch das ist uns egal.

Wir bestellen ein Taxi und ich sage dem Fahrer, was wir uns alles anschauen wollen.

Zuerst fahren wir zur Kuthodaw Pagode, die 729 pavillonartigen kleine Tempel hat, in denen je eine weisse Marmorplatte steht. Sie wurde 1868 erbaut und fertiggestellt, mitten drin steht eine riesige goldene Pagode, deren oberster Teil mit Blattgold beschichtet wurde.

Mir gelingen ein paar schöne Bilder und wir sind begeistert von diesem wunderschönen Anblick, der sich uns bietet. Barfuss laufen über die Tempelanlage, geniessen die entspannte und schöne Atmosphäre die uns jedes Mal umgibt, wenn wir einen Tempel betreten.

Mönche in roten und orangen Roben, kreuzen unseren Weg. Auch nach dem x-ten Mal immer noch ein faszinierender Anblick.

Als nächstes besuchen wir den Mandalay Hill, ein zweihundertvierzig Meter hoher Hügel, von dem man auf die ganze Stadt hinunterblicken kann. Auch dort befindet sich ein grosser Tempel wo wir uns wieder die Schuhe ausziehen.

In weiser Voraussicht, habe ich deshalb nur meine Oldschool Adiletten angezogen.  😀

Die Sonne hat sich endgültig durch die Wolken gedrängt und der Irrawady liegt glitzernd vor uns. Über hundert Meter breit, mitten durch die grüne Landschaft die Mandalay umgibt.

Wir geniessen die Weite, staunen über die vielen Pagoden und Stupas, die man überall ausmachen kann und schauen uns die vielen Buddha Statuen an.

Nach dem Mandalay Hill geht es weiter zum Mahamuni Tempel, wobei wir unterwegs noch die Goldschläger anschauen, die das Gold mit strenger Handarbeit zu Blattgold verarbeiten. Um ein grosses Stück Blattgold zu erhalten, muss der Goldschläger mit seinem Holzhammer bis zu fünf Stunden auf ein Stück Gold einschlagen, welches zwischen Bambuspapier gelegt wird. Die Herstellung eines Bambusblattes dauert bis zu zwei Jahre. Es wird geerntet, getrocknet, in dünne Streifen geschnitten und zwei Jahre lang in eine bestimmte Flüssigkeit eingelegt, um die Zellulose herauszulösen. Die Zellulose wird dann gepresst und gewälzt und so entsteht das Bambuspapier. Ein sehr langer und aufwendiger Prozess der hier in Myanmar, immer noch von Hand durchgeführt wird.

Für eine Maschine fehlt es hier an finanziellen Mitteln.

Das Blattgold wird vor allem für die Verzierung von Kunstgütern und für die grosse Buddha Statue im Mahamuni Tempel hergestellt. Als wir dort ankommen, staunen wir nicht schlecht, als wir den mit über und über mit Blattgold beladenen Buddha anschauen. Es sind an die zwölf Tonnen Blattgold, die seine ursprünglich schlanke Figur bedecken.

Jährlich fallen an die acht Kilogramm vom Blattgold wieder ab, es ist einfach zu viel.

Frauen ist der direkte Gang zum Buddha untersagt, nur die Männer dürfen ihn berühren.

Ursprünglich wurde die Buddha Statue aus Bronze hergestellt, um ihm aber zu huldigen strömen Menschen aus aller Welt zum Mahamuni Tempel, um das Blattgold aufzukleben.

Durch das viele Gold wirkt sein Körper nun jedoch total unförmig und es auch nicht mehr schön anzusehen.

Übrigens: jeden Morgen um vier Uhr, putzt ein Mönch dem Buddha vom Mahamuni Tempel, von Hand die Zähne. Kein Scherz!

Jedoch wird der Buddhismus hier aber auch immer mehr zum Geschäft. Die vier Eingänge des Tempels sind überladen mit Souvenirs und Merchandising. Schuhe, Taschen, Figuren und Schalen aus Bambus, Buddha Stauten aus Marmor, vergoldet oder Teak Holz, Halsketten, Armbänder, Fingerringe, usw. Für mich hat das, nichts mehr mit den heiligen Gängen eines Tempels zu tun, sondern mehr mit den Räumen eines Einkaufszentrums. Schade!

Die Verkäufer bedrängen uns auf dem Gang, versuchen mit aller Macht uns irgendwelche Sachen zu verkaufen. Lassen sich zum Teil kaum abwimmeln.

Wir verlassen den Tempel durch den Südeingang, selbstverständlich, ohne etwas gekauft zu haben. Als nächstes bringt uns unser Fahrer ohne vorgängige Absprache zu einem grossen Handelsgeschäft wo man sich wieder auf unnötige Souvenirs stürzen kann. Ich nutze den Moment, um kurz auf die Toilette zu gehen. Dabei laufe ich an einer Vitrine vorbei, wo sie zu meinem Entsetzen, verziertes Elfenbein verkaufen. Als ich das Elfenbein mit seinen Verzierungen so anschaue, muss ich an all die Elefanten denken, die für die Eitelkeit und Selbstsucht der Menschen, ihr Leben lassen mussten. Ich kann nicht glauben, dass in einem so buddhistischen Land wie Myanmar überhaupt so etwas verkauft wird und finde es total daneben. Nach der Toilette verlasse ich den Laden sofort.

Auch Tobi kommt wieder raus und wir fahren mit unserem Fahrer zur U-Bein Bridge, die Tobi sich auch noch anschauen will. Auf dem Weg dahin gibt es plötzlich einen Knall und der reifen unseres Fahrzeuges platzt. Wir fahren rechts ran und steigen aus. Helfen dem Fahrer den reifen herunter zu nehmen und den neuen Pneu zu montieren. Leider ist der Pneu überhaupt nicht neu sondern alt und abgefahren, Luft hat er auch keine drin. Unser Fahrer läuft los, lässt in Gott weiss wo, aufpumpen und kehrt damit zu uns zurück.

Nachdem das «neue» Ersatzrad montiert ist, fahren wir zur U-Bein Bridge und spazieren einmal darüber, gehen eins trinken und geniessen die friedliche Atmosphäre.

Die Sonne glitzert auf dem Wasser, Fischer paddeln mit ihren Holzbooten auf dem Wasser und eine Gruppe von Enten, schwimmt an uns vorbei.

Gegen den Abend gehen wir zu unserem Fahrer zurück und machen uns mit ihm auf den Rückweg, zu unserem Hotel. Mitten Im Stadtzentrum spüren wir so ein einseitiges Holpern und wundern uns eigentlich nicht, als das Ersatzrad auch einen Platten hat. Wir fahren zur nächsten Werkstatt, wo er sein Fahrzeug reparieren lässt. Wir warten derzeit im Auto und fragen uns, wie und wann es weitergeht. Sein Bruder holt uns schliesslich mit seinem Taxi ab und bringt uns zu unserem Hotel, worüber wir froh sind.

Nach einer erfrischenden Dusche gehen wir zum Chinesen um die Ecke, essen gemütlich zu Abend und geniessen einen frischgepressten Fruchtsaft.

Neben uns findet eine buddhistische Anhörung statt. Ein Lama sitzt an einem Rednerpult, liest etwas vor. Was es genau ist, kann ich nicht sagen, da ich leider kein Wort verstanden habe. Ich nehme an, dass es verschiedene Mantras sind, denn die vielen Menschen die auf dem Boden vor im sitzen, wiederholen was er sagt und verneigen sich immer wieder. Zustimmendes Gemurmel, Gesang und gespanntes Zuhören. So ruhig war es noch nie.

Es ist faszinierend anzusehen und als die Rede endet, folgen sie ihm alle, die Handflächen vor der Brust zusammengepresst. Er steigt in sein Auto und sein Chauffeur fährt los.

Auch wir verlassen die Veranstaltung und kehren zu unserem Hotel zurück.

Müde von diesem langen Tag, gehen wir schlafen.

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