17.07.2017. Wir verlassen den Iran und fahren nach Pakistan

Als am Morgen der Wecker um halb sechs Uhr klingelte, waren wir noch total müde, denn irgendwie hatten wir beide schlecht geschlafen.

Wir zogen uns an und frühstückten in der Hotellobby. Beim Auschecken aber, weigerte sich die  an der Rezeption, uns unsere Pässe auszuhändigen, da die Polizei meinte, sie wolle sie zuerst anschauen. Ich bat sie höflich, mir die Pässe zu geben, die Polizei könne sie schliesslich dann mit uns zusammen anschauen, was sie ignorierte. Bevor ich ihr an die Gurgel gehen konnte, traf die Polizei dann ein und sie händigte ihnen unsere Pässe aus. Mit eisigem Ton erklärten wir dem Polizisten, dass wir unsere Pässe während der Eskorte an die pakistanische Grenze, auf uns tragen werden. Das passte ihm eigentlich nicht besonders, doch er händigte sie uns trotzdem aus. Danach fuhren wir los. Das Militär hinter uns, die Polizei vor uns, doch wir kamen nicht weit denn beim Polizeigebäude, hielten wir schon wieder an.

Die Jungs nahmen uns die Pässe wieder ab und verschwanden damit im Inneren des Polizeihofes. Die Türen wurden geschlossen, und wir sassen einfach so da und warteten.

Irgendwann so etwa nach zwanzig Minuten tauchten ein paar Polizisten und ein paar Militärjungs auf und teilten uns mit, dass es jetzt weitergehen würde. Der Oberste wollte mit unseren Pässen ins Auto einsteigen, aber wir beharrten darauf, unsere Pässe bei uns zu behalten. Er fand es nicht so in Ordnung aber das war uns egal. Weiter gings wieder mit Polizei und Militär bis zum nächsten Posten, der etwa fünf Kilometer entfernt war.

Dort warteten wir ungefähr eineinhalb Stunden, bis das Militär kam um uns abzuholen.

Die Zeit vertrieben wir uns mit blöden Sprüchen und Fotos zeigen, sowie den Jungs eine Geographiestunde zu verpassen. Wir lachten viel und sie waren echt total cool drauf.

Als das Militär dann endlich eintraf, dachten wir eigentlich, dass es jetzt endlich nach Taftan gehen würde, doch ungefähr fünfzehn Kilometer später, mussten wir bei einem Militärposten wieder Halt machen. Wir warteten dort, bis die nächsten Militärjungs kamen die uns nach Taftan weiterbegleiten sollten. Die tauchten dann auch endlich auf und mit Gewehren bewaffnet, fuhren wir zum nächsten Checkpoint, um dort wieder auf die nächste Begleitung zu warten. Als wir endlich in Taftan eintrafen, hatten wir für den Weg über vier Stunden gebraucht, normalerweise wäre der aber in einer Stunde machbar gewesen.

Wir stempelten unsere Pässe und unser Carnet de Passage ab und warteten darauf, zum pakistanischen Zoll weiterzufahren. Als es dann endlich soweit war, liessen wir bei der Imigration den Pass abstempeln. Draussen wusste dann aber keiner so recht, wo wir unser Carnet de Passage stempeln und unterschreiben lassen konnte und es dauerte ewig, bis wir vorwärtskamen. Das beste am Ganzen war noch, dass der eine der uns begleitete, den wichtigsten Zettel einfach zerknüllte und wegwarf und wir wegen ihm nachher warten mussten, weil er diesen wieder suchen und bringen musste.

Danach mussten wir Rede und Antwort stehen für unseren Aufenthalt hier in Pakistan und am Schluss hatten wir unser Carnet immer noch nicht abgestempelt und keine einzige Eskorte fuhr mehr zur nächsten Stadt. Nun sassen wir in Taftan fest bis zum nächsten Tag, irgendwo in einem Hinterhof der Levis. Die Levis, so nennt sich die Polizei die Touristen eskortieren, teilten uns mit, dass es Morgen weitergehe bis nach Dalbandin, wo wir in einem Hotel übernachten werden.

So musste ich alle Hotels stornieren lassen, was meine liebe Freundin in der Schweiz für mich übernahm.

Der Hinterhof der Levis bestand aus ein paar alten Mauern, sowie ein paar Schrottfahrzeugen und einer grässlichen Toilette. Überall lag der Abfall herum.

Die Leute jedoch sind sehr nett und freundlich. Sie brachten uns essen und kümmerten sich sehr gut um uns. Wir wurden auch immer wieder gefragt ob es uns gut gehe und ob wir etwas brauchten.

Irgendwann später öffnete sich das Tor zum Hinterhof der Levies und ungefähr dreiundachtzig Männer kamen herein. Es handelte sich bei ihnen um Flüchtlinge, die versuchten illegal über die Grenze in den Iran zu gelangen um auf diese Weise nach Europa zu gehen. Sie wurden an der Grenze geschnappt und zur Polizei gebracht, wo sie bis abends um neun bei uns im Hinterhof herumlungerten und warteten, bis sie sich alle registriert hatteen.

In dieser Zeit wurden wir zu unserer Sicherheit in einen Raum gebracht, der mit einem gutlaufenden Ventilator ausgestattet war und einem Bürotisch. Dort verbrachten wir die nächsten Stunden mit Lesen und chillen, unterhielten uns mit den Angestellten und tranken Tee und Wasser. Immer wieder kamen Polizeileute von anderen Districts zu uns und fragten uns ob es uns gut ging und ob wir etwas brauchten. Sie nahmen unsere Personalien auf und alle wollten mit uns Fotos machen und plaudern.

Später wurden wir dann mit einem der bewaffneten Beamten zur Abfertigung begleitet wo wir dann endlich unser Carnet abstempeln lassen konnten.

Danach gings zurück und als die Flüchtlinge endlich die Station verliessen, wurde uns Abendessen gebracht. Es gab Poulet mit frischgebackenem Fladenbrot und es schmeckte köstlich.

Später am Abend sassen wir noch lange mit dem Polizeichef und seinen Mitarbeitern an unserem Klapptisch und unterhielten uns. Wir verstanden uns mit allen super gut.

Danach gingen wir schlafen, es war ein langer Tag gewesen und wir waren k.o.

Wir wurden die ganze Nacht bewacht.

 

Wir hoffen nun, dass wir Morgen gut in Dalbandin ankommen werden.

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