16.06.2017. Wir verlassen Bulgarien

Mitten in der Nacht wachten wir auf, weil ein Rudel Schakale laut heulten und zwar aus jeder Richtung. Wir waren richtig umzingelt.

Es hatte etwas Unheimliches an sich, aber gleichzeitig war es wunderschön.

Das Rascheln des Laubes im Dunkeln, das Schnauben der Pferde neben unserem Fahrzeug und das Glitzern der Sterne, etwas was man nur dann erleben kann, wenn man sich raus in die Natur begibt.

Tobi weckte mich am nächsten Morgen schon sehr früh, weil wir heute über die türkische Grenze fahren wollten und Gott allein weiss, wie lange das dauern konnte.

Wir putzten unser Fahrzeug raus, räumten ordentlich auf und machten uns bereit für die Abfahrt.

Als wir auf der alten Strasse durch den Nationalpark tuckerten, die Strasse voller Schlaglöcher, sahen wir einen Typen am Strassenrand der Autostopp machte.

Ein waschechter Backpacker aus Polen mit Treadlocks und Sandalen, einem riesigen Rucksack an dem ein Trinkgefäss und allerlei Anderes hing. Natürlich hielten wir an und nahmen ihn bis kurz vor der türkischen Grenze, mit. In der Grenzstadt Marlkov hielten wir an und frühstückten zu dritt am Strassenrand. Michele ist schon seit über fünf Monaten zu Fuss und per Anhalter unterwegs und ein cooler Kerl der schon viel erlebt hatte. Wir erfuhren einiges über ihn und seine Reise und was er schon alles erlebt hatte. Kurz vor der Grenze stieg er dann aus und verabschiedete sich von uns. Wer weiss, vielleicht treffen wir ihn in Istanbul wieder.

An der bulgarisch-türkischen Grenze hielten wir an und waren uns nicht mehr ganz sicher, ob man hier das Carnet de Passage schon abstempeln lassen musste, weil die Türkei nicht mehr zu Europa gehörte. Die Zollbeamten kamen beim Anblick des Dokumentes sowieso nicht mehr draus und wollten uns am liebsten auf der Stelle wieder loswerden. Sie stempelten unsere Aufenthaltsbescheinigung ab und damit hatte sich die Sache für sie erledigt.

Für uns auch und später fanden wir dann heraus, dass das Carnet de Passage nicht für die Türkei benötigt wurde, wenn man aus der Schweiz kam. Zur Sicherheit warfen sie noch kurz einen Blick in unser Fahrzeug um sich zu vergewissern, dass wir keine Personen

oder Anderes schmuggelten und dann liessen sie uns gehen.

Wir machten uns auf den Weg nach Istanbul, welches noch etwa zweihundertsechzig Kilometer von uns entfernt war und hielten unterwegs bei diversen Tankstellen an, um eine Strassenkarte von der Türkei zu kaufen. Lieder jedoch ohne Erfolg, denn irgendwie gab es das hier einfach nicht. Dafür wurde uns aber äusserst herzlich und freundlich x-mal den Weg nach Istanbul erklärt, was wir eigentlich ja schon wussten. Egal, irgendwann gaben wir es dann auf, kauften uns ein Glacé und frisches Brot und fuhren weiter Richtung Istanbul.

Die LKW-Fahrer sind hier schon ziemlich kriminell unterwegs und kommen wie die Flieger, abgesehen davon, dass sie einen noch mitten in den Kurven überholten. Wir fuhren also mit viel Abstand und guter Voraussicht um nicht in eine gefährliche Situation zu geraten.

Die Landschaft um uns herum bestand aus grünen Wäldern, grossen Sonnenblumenfeldern, Weizen und-Roggenfeldern, sowie Kiesgruben und Fabriken, vielen Hügeln und sehr guten Strassen.

Am späteren Nachmittag fanden wir dann einen geeigneten Schlafplatz wo wir unsere Sonnenstore aufstellten und den Tisch zusammen mit den Stühlen rausholten.

Wir gingen unser Budget für die Reise durch und notierten die Ausgaben der letzten zwei Monate, schrieben Blog und genossen den Rest des Tages damit, zu lesen und zu plaudern und die nächsten Tage zu planen.

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